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Flash back – Die Nutella Diskussion

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Dort lagen wir nun bei den Cayos Holandés im Gebiet der Kuna Indianer. Um uns herum schillerte das türkisblaue Wasser, während Amelie mit zitternden Händen ihr Referat begann. Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern gewesen, wie aufgeregt sie war. Doch die Sonne wollte einfach nicht aufhören zu scheinen und bei dieser Kulisse konnte das Referat über die indigene Bevölkerung Panamas doch gar nicht anders, als gut werden oder? Die Wahrheit ist, dass es nicht einfach nur gut war. Es ging tief unter die Haut. Amelie hielt zum Einstieg einfach nur ein Nutella-Glas hoch und stellte uns eine Frage. „Was hat dieses Nutella-Glas mit der indigenen Bevölkerung Panamas zu tun?“

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Panama City – zwischen den Fronten

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Diese Stadt stellt einfach den puren Kontrast zum Regenwald dar. Als wir mit dem Bus uns der Stadt näherten, trauten wir unseren Augen kaum. Besonders als wir Rolltreppen entdeckten erlebten wir den Kulturschock unseres Lebens. Gibt es eigentlich etwas unnötigeres als Rolltreppen?  Und bereits während wir uns dem Hostel näherten, war ich mit der Situation überfordert. Einerseits wollte ich springen, weil ich endlich wieder in einer richtigen Stadt war. Andererseits gingen mir auch die Abschiedsworte von Miguel nicht mehr aus dem Kopf.

In der Stadt ist nichts so wie es scheint. Man kann in der Zivilisation nie die Wahrheit erkennen, denn alles ist korrupt und Geld ist Macht.

Auch am nächsten Tag, als wir mit der Metro in die wunderschöne Altstadt Panamas fuhren, wurden mir sämtliche Schattenseiten auf einmal bewusst, und das nicht nur weil wir durch die Slums fuhren. Doch während wir in der Mittagshitze durch die schönen Gassen an weißen prachtvollen Gebäuden entlang schlenderten, konnte ich nicht anders als mich zu freuen. Wir liefen durch die Straßen und konnten uns nicht mehr einkriegen, als wir den Pazifik in der Ferne glitzern sahen. Irgendwann gelangten wir an einen Markt, wo man wunderschöne handbemalte Federn und aus Kristallen gefertigte Schmuckstücke kaufen konnte. Der wahre Traum war allerdings die kühle Eisdiele, in der man zwar übertrieben teures aber auch übertrieben leckeres Eis essen konnte. Das war vielleicht ein Mittagessen und eine schöne Abwechslung zu unserem sonstigen Menü: Toast mit Toast!

Nachmittags hatten wir dann Freizeit und deshalb nahmen wir uns ein Taxi zum Hard Rock Hotel. Von dort, hieß es nämlich, hätte man den besten Ausblick über Panama City. Während der gesamten Fahrt fieberten wir darauf hin. Umso trauriger waren wir, als wir erfuhren, dass die Dachterasse geschlossen war, weil an diesen Tag der nationale Feiertag in Panama alles blockierte. Doch wir wären nicht die KUSis, wenn wir uns nicht überall hin fragen könnten. Und so quatschte Karla mal eben einen Angestellten an, ob es nicht doch eine Möglichkeit für uns gäbe. Und natürlich gab es die.

Oben angekommen sah man einfach alles. Die Hochhäuser, den Pazifik, die Altstadt, den Panamakanal, die Slums und die Berge. Es war überwältigend. Denn in diesem Moment hatte ich das Gefühl zum ersten Mal die Wahrheit zu sehen. Ich bewunderte die Schönheit und die modernen Fortschritte, doch genauso sah man die Schattenseiten und die Zerstörung. Panama City ist definitiv wunderschön, aber auch traurig!

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Vivir en la selva 

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Diesen Montag in der Früh hieß es zum ersten Mal Abschied von der Thor nehmen. Unsere Trekkingrucksäcke wurden allesamt in die Dinghis gewuchtet und langsam entfernten wir uns von unserem Zuhause. Für die nächsten 17 Tage würde unser gesamtes Leben sich in diesem Rucksack befinden. Deshalb war es auch umso wichtiger, dass wir diese selbst durch den Urwald tragen konnten.

Bevor es ans wandern ging, lag aber noch eine Strecke in einem Partybus vor uns. Denn Busse sind hier alle alte amerikanische Schulbusse, an denen sich sehr kreative Menschen ausgetobt haben. Mit lauter spanischer Musik näherten wir uns also dem Regenwald.

Dort angekommen frischten wir erstmal unser Giftwolke gegen Insekten auf und schulterten dann unser Gepäck. Vielleicht habe ich es ein bisschen übertrieben mit dem Mückenspray, denn es hat bewirkt, dass sich mein pinker Sport-BH mein T-Shirt komplett verfärbten. Das nenne ich mit zu neuen Trends. In der Mittagshitze wanderten wir jedenfalls los und abgesehen davon, dass wir nach 5 Minuten bereits geschmolzen waren, liefen wir fröhlich weiter. Und schließlich erreichten wir den lang ersehnten Fluss, durch welchen wir waten mussten. Im blinden Vertrauen auf meine Müllsäcke im Rucksack lief ich mit ein paar anderen los, obwohl wir bis zum Bauch im Schlamm standen. Daraufhin nahmen die anderen einen flacheren Weg. Viele Wege führen nach Rom.

Anscheinend zählte auch der schlammige Trampelpfad als Weg, der nach den Fluss weiterführte. Mühsam liefen wir noch eine halbe Stunde weiter bis wir unser „Survivalcamp“ erreichten. Abgesehen davon, dass die Klospülung aus einem Eimer bestand, den man in die Schüssel goß, woraufhin alles verschwand, glich es eher einem wunderschönen Hotel. Mit sooooo breiten Betten. Auch das Essen war der Hammer und es gab keine Art von Rationierung. Nicht mal bei dem selbstgemachten Kakao, den Miguel uns zum Frühstück auftischte. Aus selbstgerösteten Bohnen.

So gestärkt starteten wir am nächsten Tag unsere erste Wanderung der Wasserleitung entlang, welche Miguel ebenfalls selbstgebastelt hatte. Während der Tour erklärte er uns, was er alles aus welchen Bäumen herstellen konnte. Er zeigte uns auch die Taguapalme, aus deren Samen er den wunderschönen Schmuck herstellte. Natürlich hatten wir diesen bereits alle gekauft.

Das eigentlich Highlight im Urwald war allerdings die Wanderung zu den Wasserfällen am nächsten Tag. Um zehn Uhr morgens liefen wir los und begannen den Aufstieg sämtlicher Hügel. Während der gesamten Anstrengung klammerte ich mich in Gedanken an das leckere Abendessen, welches ich ohne schlechtes Gewissen genießen konnte. Aber bald gelangten wir auch schon in der Primärwald und somit in den Schatten. Auf einmal war alles voller Lianen und Epiphyten (Orchideen). Bald fanden wir unseren Rythmus und wanderten und wanderten und wanderten. Insgesamt 4 Stunden bis wir an den wunderschönen Wasserfällen ankamen. Dort verzehrten wir erstmal unser Mittagessen. Mal wieder Toast mit Toast! Aber immerhin gab es Tortilla für die Vegetarier, welche ich voller Genuss aß. Anschließend hieß es raus aus den Klamotten und rein ins Wasser. Das Gefühl war einfach unbeschreiblich, als ich in das eiskalte Wasser eintauchte. Zunächst versammelten wir uns auf einem Stein und beobachteten kopfschüttelnd die Jungs, während sie versuchten unter dem Wasserfall durch zu schwimmen. Kurze Zeit später kamen sie triumphierend zu uns und überredeten uns es auch zu probieren. Trotz meiner anfänglichen Angst folgte ich Ihnen. Sie erklärten uns wie wir uns an der Felswand langhangeln mussten um auf eine Plattform hinter dem Wasserfall zu gelangen. Ehrlich gesagt klang das in der Theorie deutlich einfacher, als es dann in der Realität war. Noch nie in meinem Leben schoss mir so viel Adrenalin durch das Blut und ich war ziemlich froh, als ich unter den tosenden Wassermassen heraus war und die sichere Plattform erreicht hatte. Doch in diesen Moment fühlte ich mich frei und der Rückweg war der Hammer. Man musste einfach nur untertauchen und das Wasser drückte dich zurück zu dem sicheren Stein. Und somit erfüllte ich einen weiteren Punkt meiner „Life-Goals-Liste“.

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Das Müllparadies

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An jenem Morgen wachten wir im Paradies auf. In trockenen Hängematten. Und als wir uns umsahen, erstreckte sich vor uns ein riesiges Feld von Müll. Plastikflaschen. Styropor. Schuhe. Deos. Autoreifen. Alles aus nicht biologisch abbaubaren Stoffen und alles angespült von der karibischen See. Wir sind auf unserem Schiff Teil eines Müllprojektes, das an deutschen und südamerikanischen Küsten den Plastikmüll untersucht, um zu erforschen wie schlimm es um die Verschmutzung der Meere steht. Deshalb wollten wir auch auf dieser Küste verschiedene Strandabschnitte untersuchen. Dafür unterteilten wir uns in kleine Gruppen und untersuchten jeweils drei Felder, die 3×3 m groß waren.

Als wir in unserem ersten Abschnitt im Spülsaum sammelten, stellten wir fest, dass hier kaum Plastik zu finden war. Auch an der Flutkante war unser Plastikbeutel nur halb gefüllt. Doch dann kamen wir ins Landesinnere und hier reichte unser Müllsack nicht. Wir mussten uns noch einen doppelt so großen holen und selbst dieser war am Ende kaum noch verschließbar.

Das hat zumindest mich wirklich schockiert. Auf so einer Fläche findet man so viel Abfall vor, der wirklich schwerwiegende Probleme mit sich bringt. Denn das Problem bei Plastik ist, dass es mehrere hundert Jahre benötigt bis es zersetzt wird. Und deshalb treibt es Ewigkeiten auf dem Meer. So haben sich auf dem Pazifik und wahrscheinlich auch in der Karibik riesige Müllstrudel gebildet, die zahlreiche Probleme für die Umwelt und Tierwelt, aber auch für uns Menschen mit sich bringt.

Viele Vögel verwechseln das zerkleinerte Plastik zum Beispiel mit Nahrung und fressen dieses. Da es allerdings unverdaulich ist, füllt das Plastik den Magen und der Vogel verhungert mit vollem Bauch. Häufig filtrieren Muscheln Mikroplastik aus dem Wasser und so wird dieses in ihrem Organismus abgelagert, da dieses Plastik so stark zerkleinert ist, dass es eine Größe von Plankton besitzt. So gelangt es allerdings nicht nur in ihren Körper, sondern auch in die Nahrungskette. Das Problem hierbei ist nur, dass sich das enthaltene Gift im Plastik immer weiter intensiviert, je öfter es verdaut wird. Wenn es also am Ende der Nahrungskette angelangt ist, kann es sogar krankheitserregend wirken. Häufig steht aber der Mensch durch den Fischkonsum am Ende dieser Nahrungskette und deshalb gelangen diese Giftstoffe auch in unser Blut. Nicht gut!

Um dem Ganzen wenigstens ein bisschen entgegen zu wirken, haben wir anschließend noch Müll großflächig gesammelt. Die Kunas, die auf den Inseln lebten, hatten nämlich kein Geld für die Übernachtung verlangt. Stattdessen baten Sie uns ein bisschen Müll zu sammeln, weil es für sie schwer war diesen zu entsorgen. Wie sollten sie auch zu einer Müllkippe gelangen? Sie leben ja auf größtenteils unbewohnten Inseln. Deshalb war ihr einziger Wunsch, dass wir dazu beitrugen ihre Mutter Natur zu retten. Und wir taten wirklich unser bestes. Aber nach knapp einer halben Stunde hatten wir bereits so viel gesammelt, dass unser Dinghi komplett überfüllt war. Wir konnten einfach nicht mehr mitnehmen. Und es tut mir wirklich weh, die Insel noch so verdreckt zu hinterlassen. Denn letztendlich war die Aktion eher eine symbolische Geste. Die Problematik reicht nämlich viel tiefer und mit ein bisschen Müll sammeln ist keine Lösung gefundenen.

Mich hat an unserer Aktion eher etwas anderes beeindruckt. Nämlich die Einstellung der Kunas. Sie zeigten uns durch ihre Sicht einfach, dass sich nicht alles durch Geld kaufen lässt. Manche Dinge sind unbezahlbar und häufig viel wertvoller, als käufliche Gegenstände.

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Eine Nacht unter Palmen

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„Oh wie schön ist Panama!“, dachten wir uns als wir bei den Cayos Holandés ankamen. Es roch zwar nicht von oben bis unten nach Bananen, aber dafür nach Kokosnüssen. Wir hatten nämlich bei den Kunas, die die Inseln bewohnten, hundert von diesen Nüssen gekauft. Seitdem findet man überall an Deck weiße Krümel und Taschenmesser. Auch ich habe schon meine Erfahrungen gerade mit dem Messer gemacht. Oder besser gesagt mein Finger, aber das ist eine andere Geschichte. Eigentlich wollte ich in diesem Artikel nämlich von einer Inselübernachtung schreiben, die so schön war, dass es fast zu klischeehaft wirkte. Nach einem langen Schultag und Schiffsarbeitentag zogen wir nämlich los zu einer Insel, die nur von zwei Kuna-Familien bewohnt war, um die besten Plätze für unsere Hängematten zu finden. Das ganze erschien zunächst einfacher, als es dann war. Denn eben diese Kokosnüsse, von denen manche bereits Bauchschmerzen hatten, weil sie so viele verputzt hatten, sorgten an den Bäumen für weniger Begeisterung. Keiner von uns hatte nämlich große Lust von einer Kokosnuss erschlagen zu werden, was wahrscheinlicher ist, als von einem weißen Hai getötet zu werden. Irgendwann hatten wir es dann aber geschafft und schwärmten aus um Feuerholz und Spieße für unseren Stockbrotteig zu schnitzen. Mittlerweile war es allerdings dunkel, was das Ganze etwas schwieriger gestaltete. Trotzdem kämpften wir uns durch das Dickicht und nach einiger Zeit waren wir froh über die Schwärze, denn so konnte niemand uns dabei sehen.

Nun ging es ans Feuer machen. Alle versammelten sich um die Stöcke und sahen gespannt dabei zu, wie einige Jungs sämtliche Tampons abfackelten und versuchten so das Holz zu entfachen. Erstaunlicherweise hatten sie dabei sogar Erfolg und so versuchten eine halbe Stunde später 34 Schüler ihr Stockbrot zu rösten. Gleichzeitig!

Nachdem die Sache mit dem Essen geklärt war, wurden die Gesangsbücher ausgepackt und Lukas begann auf seiner Gitarre zu spielen. So saßen wir dort gemeinsam zusammen und fühlten uns endlich wie eine richtige Gruppe. Ein Tag vorher hatten wir nämlich eine Schülerversammlung, weil sich einige nicht wohl gefühlt hatten. Anscheinend hatte sich nämlich eine geschlossene Gruppe herauskristallisiert, die mit dem Eigelb in einem Spiegelei zu vergleichen ist. Jedenfalls waren wir an diesem Abend Rührei und das war wunderschön.

Um halb zwölf begannen wir dann eine riesige Runde Werwolf zu spielen, bei der hauptsächlich gebaumt wurde und der Zombies haufenweise Gehirne fraßen. Vielleicht töteten wir deshalb alle Charaktere bis auf die Werwölfe. Irgendwann kam auch das Spiel zur Ruhe und wir legten uns zum schlafen in die Hängematte.

Die Nacht wäre zwar ohnehin schon kurz gewesen, aber dann fing es plötzlich um 4 Uhr an zu regnen. Aber nicht nur leichter Nieselregen. Nein. Eine Stunde lang schiffte es wie nichts gutes vom Himmel. Deshalb verließ auch ich nach ein paar Minuten des stillen Protests meine Hängematte und wir stellten uns in einer Strohhütte unter und warteten. Und warteten. Und froren. Schließlich klarte der Himmel auf und manche beschlossen zurück zur Thor zu fahren, da ein Großteil der Hängematten durchnässt war. Ich blieb allerdings, auch wenn man in meiner Matte schwimmen konnte. Ein paar andere hatten allerdings ganz dünne und schnell trocknende Matten und so hielt ich diese kurz in den Wind und schlummerte ein weiteres Mal ein bis unsere Übernachtung vorbei war.