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Das Müllparadies

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An jenem Morgen wachten wir im Paradies auf. In trockenen Hängematten. Und als wir uns umsahen, erstreckte sich vor uns ein riesiges Feld von Müll. Plastikflaschen. Styropor. Schuhe. Deos. Autoreifen. Alles aus nicht biologisch abbaubaren Stoffen und alles angespült von der karibischen See. Wir sind auf unserem Schiff Teil eines Müllprojektes, das an deutschen und südamerikanischen Küsten den Plastikmüll untersucht, um zu erforschen wie schlimm es um die Verschmutzung der Meere steht. Deshalb wollten wir auch auf dieser Küste verschiedene Strandabschnitte untersuchen. Dafür unterteilten wir uns in kleine Gruppen und untersuchten jeweils drei Felder, die 3×3 m groß waren.

Als wir in unserem ersten Abschnitt im Spülsaum sammelten, stellten wir fest, dass hier kaum Plastik zu finden war. Auch an der Flutkante war unser Plastikbeutel nur halb gefüllt. Doch dann kamen wir ins Landesinnere und hier reichte unser Müllsack nicht. Wir mussten uns noch einen doppelt so großen holen und selbst dieser war am Ende kaum noch verschließbar.

Das hat zumindest mich wirklich schockiert. Auf so einer Fläche findet man so viel Abfall vor, der wirklich schwerwiegende Probleme mit sich bringt. Denn das Problem bei Plastik ist, dass es mehrere hundert Jahre benötigt bis es zersetzt wird. Und deshalb treibt es Ewigkeiten auf dem Meer. So haben sich auf dem Pazifik und wahrscheinlich auch in der Karibik riesige Müllstrudel gebildet, die zahlreiche Probleme für die Umwelt und Tierwelt, aber auch für uns Menschen mit sich bringt.

Viele Vögel verwechseln das zerkleinerte Plastik zum Beispiel mit Nahrung und fressen dieses. Da es allerdings unverdaulich ist, füllt das Plastik den Magen und der Vogel verhungert mit vollem Bauch. Häufig filtrieren Muscheln Mikroplastik aus dem Wasser und so wird dieses in ihrem Organismus abgelagert, da dieses Plastik so stark zerkleinert ist, dass es eine Größe von Plankton besitzt. So gelangt es allerdings nicht nur in ihren Körper, sondern auch in die Nahrungskette. Das Problem hierbei ist nur, dass sich das enthaltene Gift im Plastik immer weiter intensiviert, je öfter es verdaut wird. Wenn es also am Ende der Nahrungskette angelangt ist, kann es sogar krankheitserregend wirken. Häufig steht aber der Mensch durch den Fischkonsum am Ende dieser Nahrungskette und deshalb gelangen diese Giftstoffe auch in unser Blut. Nicht gut!

Um dem Ganzen wenigstens ein bisschen entgegen zu wirken, haben wir anschließend noch Müll großflächig gesammelt. Die Kunas, die auf den Inseln lebten, hatten nämlich kein Geld für die Übernachtung verlangt. Stattdessen baten Sie uns ein bisschen Müll zu sammeln, weil es für sie schwer war diesen zu entsorgen. Wie sollten sie auch zu einer Müllkippe gelangen? Sie leben ja auf größtenteils unbewohnten Inseln. Deshalb war ihr einziger Wunsch, dass wir dazu beitrugen ihre Mutter Natur zu retten. Und wir taten wirklich unser bestes. Aber nach knapp einer halben Stunde hatten wir bereits so viel gesammelt, dass unser Dinghi komplett überfüllt war. Wir konnten einfach nicht mehr mitnehmen. Und es tut mir wirklich weh, die Insel noch so verdreckt zu hinterlassen. Denn letztendlich war die Aktion eher eine symbolische Geste. Die Problematik reicht nämlich viel tiefer und mit ein bisschen Müll sammeln ist keine Lösung gefundenen.

Mich hat an unserer Aktion eher etwas anderes beeindruckt. Nämlich die Einstellung der Kunas. Sie zeigten uns durch ihre Sicht einfach, dass sich nicht alles durch Geld kaufen lässt. Manche Dinge sind unbezahlbar und häufig viel wertvoller, als käufliche Gegenstände.