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Ein Lebenszeichen …

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Nachdem meine Berichterstattung letztes Jahr abrupt abgebrochen hatte, während ich in Südafrika war, bin ich nun endlich wieder online. Dabei ist der Zugang zum Internet gerade komplizierter denn je. Dieses Mal berichte ich nämlich mitten aus dem peruanischen Regenwald. Um diesen Beitrag nun also zu schreiben, musste ich heute morgen zunächst laut „Caña!“ rufen und winken, um auf die andere Seite des Flusses mit einem Kanu übergesetzt zu werden. Dann bin ich in einen Pick-Up gestiegen (dieses Mal zum Glück nicht auf die Ladefläche), um die Schotterpiste nach Curimana zurückzulegen. Und nachdem wir drei mal fast im Schlamm stecken geblieben sind und den peruanischen Bauarbeiter mit seinem Holz irgendwo im Wald abgesetzt haben, musste ich noch mit einer Autofähre den Fluss ein weiteres Mal überqueren. Wobei Fähre vielleicht nicht das richtige Wort ist. Konstruiert ist das ganze nämlich aus zwei Kanus, die durch eine Plattform verbunden wird, auf der dann der Pick-Up parkt. Und jetzt sitze ich also hier. In einem heruntergekommenen Laden und Internetcafé und habe endlich Empfang. Zumindest solange es nicht regnet, was jeden Moment geschehen könnte. Doch bis jetzt kann ich euch berichten.

Berichten, dass es mir gut geht. Mittlerweile bin ich nun drei Tage in Esperanza Verde. Einer Tierauffangstation für Affen, Schildkröten, Opossums und was Olivia und Douwe sonst so verwaist im Regenwald oder in den umliegenden Dörfern als Haustier gehalten auflesen. Der Verkauf und Besitz dieser Tiere ist zwar eigentlich illegal, doch leider interessiert das hier kaum einen. Tatsächlich bin ich nämlich so weit ab vom Schuss, dass der illegale Handel von Wildtieren kaum kontrolliert wird. Und so kümmere ich mich seit drei Tagen um Opfer, die dem drittgrößten Schwarzmarkt weltweit zum Opfer gefallen sind. Tatsächlich soll ich heute an meinem ersten freien Tag und Ausflug nach Curimana meine Spanisch-Kenntnisse austesten, da es hier ein peruanisches Wildschwein-Ferkel geben soll, das wohl privat gehalten wird, aber welches nun nicht mehr erwünscht ist. Na das kann ja was werden.

Doch auch wenn ich gerade ein bisschen Bammel davor habe, was mich hier gleich erwartet, bin ich ansonsten wahnsinnig glücklich. Ich würde sogar sagen so glücklich, wie noch nie zuvor, doch das liegt wohl daran, dass das hier und jetzt heller strahlt als meine Erinnerungen an andere glückliche Zeiten. Wahrscheinlich stimmt es also nicht. Fakt ist jedoch, dass es mir sehr sehr gut geht. Auch wenn ich wohl so schlecht aussehe, wie nie zuvor. Die gebatikte Hose, die ich trage, damit mich die Sandfliegen nicht zerstechen, und die schlammigen Wassersandalen stehen mir einfach wahnsinnig gut.

Nun ja die Tiere interessiert es wohl weniger. Grety zumindest scheint mich trotz meiner täglichen Outfits in ihr kleines Wildkatzen-Herz geschlossen zu haben. Und ich sie. Genau kann ich zwar nicht sagen, was sie ist, aber sie ähnelt einer Miniaturversion eines Jaguars mit riesigen Augen. Nachdem sie gestern Vormittag die ganze Zeit versucht hat meinen langen blauen Regenponcho zu jagen, durfte ich gestern Nachmittag eine einzigartige Begegnung mit ihr erfahren. Sie ist nämlich eines der wenigen Tiere mit der man tatsächlich interagieren darf, weil sie leider nicht mehr ausgewildert werden kann. Deshalb stapfe ich wann immer sich die Möglichkeit bietet zu ihrem Käfig, um sie etwas zu mit Ihrem roten Lieblingsspielzeug zu bespaßen. Gestern jedoch war sie viel mehr an meinem Bein interessiert als an ihrem Spielzeug. Zunächst dachte ich, sie wolle mich jagen und versuchte sie abzuwimmeln. Dann jedoch viel mir auf, dass sie sich nur an mich klammerte und nicht zubiss. Nun muss man wissen, dass diese Art der Katzen normalerweise in Bäumen lebt und Grety deshalb in ihrem Käfig wie eine Artistin auf Ästen balanciert und klettert. Nun allerdings schien sie sich in den Kopf gesetzt zu haben, an mir hochklettern zu wollen. Also ließ ich sie und schließlich lag sie in meinem Arm und schnurrte. Auch wenn ihre dreckigen Tatzen mein T-Shirt komplett eingesaut hatten, war das wohl bis jetzt der besonderste Moment, den ich hier im Jungle erleben durfte.

(Das Internet reicht leider nicht für das hochladen von Fotos, deshalb müsst ihr euch damit leider bis zum nächsten Mal gedulden. Vielleicht gelingt es mir ja dann!)

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