Beitragsformat

Blondies on Tour: Day 6 – Addo Elephant Park

1 Kommentar

Stellt euch vor ihr würdet morgens um sechs Uhr aufstehen, um euch ins Auto zu setzen. Und den ganzen Tag – bis neun Uhr abends – bleibt ihr auch in einem Auto sitzen. Mit Ausnahme von zwei kurzen Essenspausen fahrt ihr also stundenlang durch die Gegend. Klingt nicht besonders aufregend oder? Und trotzdem haben wir genau das gemacht. Freiwillig sogar. Und dafür bezahlt haben wir auch noch. Denn an diesem Tag stand eines auf dem Programm: Safari! Und nicht nur irgendeine. Wir hatten ganz tief in unsere spärlichen Volunteer-Portemonnaies geschaut, um uns die Schotia Tooth&Claw Safari zu gönnen. In diesem privaten Game Reserve konnte man nämlich vor allem eines sehen: Löwen.

Da wir bereits um halb drei an der Rezeption sein sollten für unsere Tour, die bis spät Abends ging, mussten wir früh aufstehen. Zu früh für Noas Geschmack – unsere kleine Schlafmütze. Becci und ich waren ohnehin wie jeden Tag unfreiwillig schon vor dem Weckerklingeln zwar nicht wach, aber auch nicht in der Lage wieder einzuschlafen. Jetzt fragt man sich vielleicht, wieso wir uns schon um sechs Uhr aus dem Bett quälten, wo die Tour doch erst nachmittags begann. Nun wir wollten natürlich nicht nur Nalas und Simbas sehen, sondern auch ein paar Dumbos. Da traf es sich natürlich gut, dass wir zehn Minuten vom Addo Elephant Park entfernt wohnten und dieser bereits um sieben Uhr öffnete. Das klang uns nach einer guten Zeit, um auch möglichst viel zu sehen.

Natürlich standen wie nicht pünktlich um sieben Uhr vor dem Park Gate. Schließlich mussten alle noch einmal obligatorisch Pipi machen und auch ansonsten wurde noch fleißig hin und her gepackt. Doch schließlich wurde Polly beladen und als wir dann auch die Rezeption 930 Rand ärmer und eine Übersichtskarte reicher verließen, konnte es endlich losgehen. Ich saß hinterm Steuer, Noa versuchte irgendwie die Karte zu deuten und Becci war auf der Rückbank mit gezückter Kamera in Position gegangen. Kurz um: Wir waren bereit für die Tiere. Diese allerdings nicht für uns – so schien es für die erste halbe Stunde. Ein Warzenschwein sahen wir in der Ferne. Dann lange nichts. Schließlich fanden wir ein paar Zebras, die Noa komplett aus dem Häuschen brachten. Prompt wurde auch ihre GoPro gezückt, mit einem „Dideling“ eingeschaltet und drauf losgefilmt. Alles wurde festgehalten. Wie die Zebras auf der Wiese standen und grasten oder auf der Wiese standen und nichts taten oder auf der Wiese lagen. Ob das nun so wertvolles Videomaterial geworden ist, wird sich herausstellen, wenn die 30 Gigabyte Videomaterial, welches an diesem Tag nach vielen weiteren „Didelings“ entstanden ist, gesichtet und zusammengeschnitten ist. Auf jeden Fall wurde jede Sichtung festgehalten.

Und diese Sichtungen wurden mit dem Laufe der Zeit immer mehr. Nachdem wir nämlich eine Elefantenfamilie (mit zwei Kälbern!!!) an einem Wasserloch aufgespürt hatten, schienen diese uns quasi zu verfolgen. Auch wenn wir uns nur ganz vorsichtig in sicherer Entfernung zu ihnen hinstellten, entschieden diese sich dazu vor uns die Straße zu überqueren, auf uns zu zulaufen und uns schließlich förmlich zu umzingeln. Vielleicht lag es daran, dass sie unseren silbernen Polo namens Polly für einen Artgenossen hielten. Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall aber bescherten sie uns auf diese Weise nicht nur atemberaubende Fotos, sondern jagten manchen von uns auch noch einen riesigen Schreck ein. Zum Glück hatten wir vorher nicht das Video aus dem Krüger Nationalpark gesehen, in dem Elefanten mit einem Kleinwagen Fußball spielen, weil sie sich und ihre Babys bedroht sahen. Das schickte man uns dann erst als Antwort auf unsere Fotos. Sehr beruhigend. Naja zum Glück ist ja alles gut gegangen. Nachdem wir unsere Schnappschüsse gemacht hatten, machten wir uns mit Polly aus dem Staub und bis auf das Herz, was dem einen oder anderen von uns bis Hals schlug, haben wir auch dieses kleine Abenteuer unversehrt überstanden.

Ganz schön nah diese Elefantenmama – wir tun dir nichts, wenn du uns auch lässt!

Das war auch gut so, denn ich wäre echt sauer gewesen, hätten uns die Elefanten überrannt und ich hätte das, was am Nachmittag kam, verpasst. Polly wurde nämlich gegen einen offenen Jeep eingetauscht. Der Addo wurde für das Private Game Reserve von Schotia eingetauscht. Gespannt wie ein Flitzebogen saßen wir dort in der ersten Reihe des Neunsitzers und lauschten den eher weniger lustigen Witzen unseres Guides Zane. Nun versteht mich bitte nicht falsch: Zane war so ziemlich der tollste Guide, den wir uns hätten vorstellen können, aber gelacht haben wir trotzdem nicht. Stattdessen fragten wir uns bei jeder komisch gemeinten Bemerkung, wie oft er das wohl schon in den zwei Jahren als Guide schon gesagt hat. Nun vielleicht lag das aber auch daran, dass wir wohl nicht ganz das übliche Publikum waren und deutlich aus dem Rest der Gruppe herausfielen. Abgesehen von uns drei Mädels war das ganze nämlich eher eine Ü40 Veranstaltung.

Das könnte aber auch an dem stolzen Preis für die Tour gelegen haben. Genau wegen dieses Preises war ich auch besonders aufgeregt. Schließlich hatte ich die anderen beiden von dieser Tour überredet. Begeistert hatte ich von meinen Erinnerungen von dem letzten Mal Südafrika erzählt. Nun diese Erinnerungen waren ehrlich gesagt nur noch in Fragmenten vorhanden. Schließlich war ich damals erst neun. Aber die Fotos, die ich von damals hatte, sorgten dafür, dass nicht nur ich hohe Erwartungen hatte, sondern auch Becci und Noa. Nun was soll ich sagen? Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen – sofern das überhaupt möglich war. Wirklich jeder einzelne Rand hat sich gelohnt. Denn nachdem Zane die ersten Giraffen entdeckte, wurde er zwar immer noch nicht lustiger, aber dafür stellte sich heraus, dass er einen unglaublich guten Riecher für das Aufspüren der Tiere hatte. Und so kam es, dass wir am Ende des Tages alle Tiere der Big Five entdeckten abgesehen von Cheetahs, die es bei Schotia nicht gibt.

Der Auftakt von der besten Safari überhaupt …

Außerdem stellte man uns den beiden Krokodilen vor, die gerade eine Ehekrise durchlebt hatten und deshalb neuerdings in getrennten Wasserlöchern lebten, und Zane versuchte durch Trommeln auf den Jeep die beiden Nilpferde aufzuwecken. Ein bisschen waghalsig bei dem gefährlichsten Tier Afrikas. Aber er schien zu wissen, was er tat. Denn der ehemalige Lehrer fand nicht nur die Löwen als aller erstes, sodass wir gut zehn Minuten vor allen anderen Jeeps den Königen der Savanne beim genüsslichen Dösen zugucken konnten, sondern er konnte einem auch unglaublich viel erzählen. Wie alt diese Giraffe ist und wie vor wie vielen Stunden jene Antilope geboren wurde.

Drei Blondinen auf Safari/ im siebten Himmel

Aber zurück zu den Löwen. Davon gibt es bei Schotia drei Stück. Sie hatten mal mehr, aber nachdem das Rudel an drei Tagen 18 Zebras gerissen hatte, mussten ein paar der Fressmaschinen verkauft werden. Also gab es noch eine Löwin und einen achtzehnjährigen Löwen-Herrn und seinen Sohn. Als wir die drei entdeckten, taten sie, was Löwen anscheinend am besten können. Sich entspannen. Dabei interessierten sie sich herzlich wenig für uns und unseren Jeep. Denn die Tiere sind zwar wild, aber sie sind ebenso daran gewöhnt, dass täglich mehrere der Schotia-Jeeps an ihnen vorbeifahren. Deshalb haben sie diese Autos mittlerweile als Tiere akzeptiert, die Teil ihres Königreiches sind, aber für sie weder eine Bedrohung noch einen Leckerbissen darstellen. Gleichgültig sind wir also. Auch wenn man sich diese Beziehung normalerweise nicht wünscht, so ermöglichte uns diese Gleichgültigkeit ihrerseits, dass wir schließlich zwei Meter entfernt parken konnten und sie in aller Ruhe beobachten und fotografieren konnten. Unsere Anwesenheit war ihnen anscheinend sogar so egal, dass wir unfreiwillig einen Porno drehten. Nachdem Papa-Löwe sich nämlich mühselig aufgerappelt hatte und genüsslich gegähnt hatte, bestieg er mal eben seine Löwin. Doch so überraschend es kam, so schnell war es auch schon wieder vorbei. Dennoch hat Noa nun doch auch ein bisschen Action in ihren 30 Gigabyte an Videomaterial.

Gäääääähhn! So ein Löwen-Leben ist anstrengend

Als die Sonne dann langsam über dem Park untergegangen war, wärmten wir uns noch bei einem gemütlichen Abendessen mit wahnsinnig leckerem Sojazeug für die Vegetarier (wir sind leider nicht schlau daraus geworden, was es war) in einem kreisrunden Reetdachhaus auf. Aber auch nur kurz, denn zu guter letzt fuhren wir in Wolldecken und Ponchos eingepackt noch ein kurzes Stück durch den Park, nachdem unser Traum von Safari schließlich vorbei war. Und so kam es, dass wir nach einem ganzen Tag am Auto, dennoch so müde waren, dass ich innerhalb von fünf Minuten einschlief. Trotz schmerzhaften Sonnenbrand auf den Schultern fielen meine Augen wie von selbst zu. Die hatte ich an diesem Tag natürlich auch gut erschöpft, so viel wie sie zu sehen und zu bestaunen hatten. Anscheinend war also nicht nur Noas Kameraspeicher voll (und der Akku leer), sondern auch mein ganz persönlicher. So viele Eindrücke hatte ich gewonnen. Hoffentlich halten diese Erinnerungen dieses Mal länger als die der letzten Safari. Ansonsten werde ich wohl oder übel in zehn Jahren noch einmal nach Südafrika reisen müssen, um die Tour ein weiteres Mal zu machen. In diesem Sinne: Auf mein Kurzzeit-Gedächtnis!

Der Versuch möglichst alles Wundervolle für immer festzuhalten

1 Comment so far Join the Conversation

  1. Wahnsinnig tolle Eindrücke und so charmant geschrieben! Wo kann man denn diese Safaris buchen oder sich zumindest darüber informieren? Wir überlegen im Herbst nach Südafrika zu reisen und das klingt einfach traumhaft. Liebe Grüße xx

    Liken

    Antworten

Leave a Reply

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s