Beitragsformat

Blondies on Tour: Day 4 – Baviaans Kloof Berge

Kommentar verfassen

Ein Nachtrag. Anders kann ich wohl auch kaum über diesen Tag berichten als nachträglich. Denn am Montag ist mein Handy von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ausgeschaltet geblieben. Das hatte einen ganz simplen Grund. In der Lodge mitten in der Einöde gab es zwar mehr oder weniger funktionierendes WLAN – meistens eher weniger funktionierend – aber dafür keine Steckdosen. Und wenn wir am nächsten Tag den Weg wieder aus diesem Reservat durch die Einsamkeit der Karoo Wüste finden wollten, bräuchte zumindest einer von uns ein Nawi, also Akku. Also fastete ich an diesem Tag Handy. Doch was aus bloßer Notwendigkeit begann, entpuppte sich zu einer echt wundervollen Erfahrung. Tatsächlich war die Folge nämlich nicht nur ein Tag ohne soziale Medien, sondern vor allem auch ein Tag ohne eine Uhr. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gab es also sozusagen keine Zeit für mich. Solange die Sonne schien, tat ich einfach das, was ich eben tat. Ob es nun Mittag oder Nachmittag war, interessierte einfach nicht.

Aber was taten wir denn nun den ganzen lieben Tag lang – so mitten im nirgendwo? Munter nach unserem kleinen morgendlichen Bad im Pool mit reinem Bergwasser und gestärkt durch ein leckeres Porridge-Frühstück (das hält sich einfach am besten im warmen Auto), machten wir uns so gegen zehn Uhr auf, um die Berge und Schluchten um uns herum zu erkunden. Ich vermute zumindest, dass es ungefähr zehn Uhr war. Das einzige, was ich allerdings mit Sicherheit sagen kann, ist, dass es nich vormittags war. Die Mittagshitze hatten wir nämlich noch nicht überstanden. Und überhaupt war es eher frisch und bewölkt, als wir die Unterkunft verließen. Im Schlepptau der Lodge-eigene Husky, dessen Namen wir nicht wussten. Da wir uns zu Beginn auch nicht sicher waren, ob es nun ein Rüde oder eine Hündin war, nannten wir ihn kurzerhand Schnuffi. Das ist ja auch irgendwie universal oder?

Schnuffi – unser Begleiter und Beschützer

Jedenfalls folgte dieser uns auf unsere Wanderung. Oder besser gesagt: Wir folgten ihm, denn wir könnten kaum mit ihm mithalten. Unser Weg sollte insgesamt acht Kilometer lang sein. Doch nach knapp einem Kilometer, zweifelten wir bereits daran, dass wir diese Strecke durchhalten würden. Da unsere Unterkunft ja in einer Schlucht lag, mussten wir uns aus dieser erst einmal heraus arbeiten. Wir mussten herausklettern. Die ersten paar Meter ging es also eher in die Höhe als nach vorne. Und so wurde uns dann doch recht schnell ziemlich warm. Das aber tatsächlich nicht nur wegen des steilen Aufstiegs, sondern auch wegen eines magischen Baumes, den wir auf dem Weg trafen. Inwiefern dieser Baum tatsächlich magisch war, wissen wir auch nicht genau, aber auf einem Schild stand, dass er es sei. Und da nach einem kurzen Tänzchen um den Baumstamm der Himmel aufriss, war für uns zumindest der Fall geklärt.

Wenn ich nun allerdings an diesen Tanz zurückdenke, dann bereue ich ihn ein bisschen. Denn auch wenn die Sonne wirklich wunderschön war, so hatten wir uns dummerweise nicht eingecremt an diesem Tag. Ziemlich dumm eigentlich, wenn man bedenkt, dass wir mittlerweile eigentlich das südafrikanische Wetter und seine Stimmungsschwankungen kennen sollten. Wer auch immer gesagt hat, dass der April macht, was er will, der war wohl noch nicht in Südafrika. Hier kann man eigentlich auch jeglichen Wetterbericht in den Wind schießen, da sich die Lage ohnehin mindestens drei mal am Tag ändert. Nur bei einem kann man sich sicher sein. Sobald Katina und ich Wäsche waschen und wir die Bettlaken aufgehängt haben, fängt es an zu regnen. Todsicher. Lange Rede kurzer Sinn: Wir wurden von der Sonne überrascht und ich habe jetzt den schlimmsten Sonnenbrand auf den Schultern, den ich je hatte. Damit schläft es sich übrigens auch richtig gut. Zumindest früh aufstehen kann ich damit super, weil ich irgendwann eh nicht mehr schlafen kann. Liegen ist schmerzhaft.

Doch abgesehen von den Folgen war diese Wanderung ein absoluter Traum. Ein paar Hindernisse wie Flüsse und Zäune gab es zwar zu überwinden. Doch irgendwie schafften wir es selbst das riesige Tier von Hund über den Draht zu heben. So konnte nichts davon die Schönheit dieses Ausfluges schmälern. Nach dem Aufstieg wanderten wir zunächst auf einem Plateau entlang. Die Füße setzen wir irgendwann ganz von alleine voreinander. So schön war die Aussicht. Beschreiben kann ich sie allerdings nicht so, dass ich ihr wirklich gerecht werde. Vielleicht kann ja die eine oder andere Aufnahme von Beccis Kamera aushelfen.

Selbst die Wolken können die derbe Schönheit nicht trüben

Irgendwann (laut Noas Sonnenstand-Berechnungen war es schon nach Mittag) erreichten wir dann völlig erschöpft (Sonnenstich lässt grüßen) und hungrig die Unterkunft. Aber vor allem waren wir voller Vorfreude. Denn für diese Mahlzeit hatten wir Pfannkuchen geplant. Naleśniki auf Polnisch – wie ich Becci versprochen habe, dass ich sie ab jetzt nenne. Für die Naleśniki also hatten wir als Mehl Kokosnussmehl gekauft. Etwas anderes haben wir nicht in glutenfrei gefunden. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Und wir waren in einer Naleśniki-Krise. Und in der Not frisst der Teufel ohnehin fliegen. Oder eben Kokospfannkuchen. Doch bereits als ich den Teig anzischte merkte ich, dass da etwas nicht stimmte. Ich versuchte noch die Konsistenz mit einem Ei mehr zu retten – danach mit Milch und schließlich wieder mit Mehl. Doch alles nützte nix. Die Pampe wollte einfach kein Teig werden und hielt erst recht nicht vernünftig in der Pfanne zusammen. Also verwarfen wir kurzerhand den Plan um und stiegen auf Kaiserschmarren um. Und als auch das nichts wurde gaben wir das ganze in eine Schüssel mit Obst und kippten Milch drauf. Nichts half. Am Ende gaben sir auf. Zwei von Dreien war übel und eine war noch genauso hungrig wie zuvor, bekam aber keinen Krümel furztrockenen Teig herunter. Am Ende kochten wir uns dann doch noch Nudeln mit Nudeln (wir hatten nichts mehr). Mit Olivenöl und Currypulver schmeckten diese allerdings erstaunlich gut. Ein wahrer Genuss vom Chef abgesegnet.

Was man halt so mit schlafenden Noas macht …

Und der restliche Tag? An dem restlichen Tag haben wir uns so richtig schön gelangweilt (wie man unschwer an dem Foto erkennen kann). Wir kamen sogar auf die Idee ein „Fotoshooting“ mit Schnuffi zu machen – würden dann allerdings von dem Unwetter überrascht, was uns alle in den Aufenthaltsraum trieb. Dort entdeckte ich zwei Dinge: Ein Buch über die sechsten Frau von Henry dem VIII. und schlussendlich eine Steckdose. Nun ich lud zwar mein Handy, doch entschied mich trotzdem für das Buch. Denn ohne die Uhrzeit zu wissen, eins wusste ich (für mich zumindest): Es war noch zu früh! Mein Tag des treiben Lassen sollte noch nicht vorbei sein. Und da man die Sonne und deren Untergang ohnehin nicht erkennen konnte (Danke Gewitter), könnte auch keiner außer mir bestimmen, wann dieser Tag vorbei sein würde!

Leave a Reply

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s