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Ein Weltwunder ist geschehen – meine Wanderung auf den Table Mountain (endlich!!!)

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Als ich neun Jahre alt war, war ich schon einmal in Südafrika. Damals mit meiner Familie. Und soweit ich mich richtig erinnere, war das wohl mein erster Urlaub, den man wohl als richtige Fernreise bezeichnen könnte. Überhaupt erinnere ich mich nur bruchstückhaft an einzelne Momente aus dem Urlaub. Und meist an eher ungewöhnliche Momente. Momente, die nicht wirklich Südafrika-typisch sein müssen. Zum Beispiel weiß ich nicht ganz genau, dass ich damals zuerst nicht mit auf die Safari wollte, weil es auf der Farm, wo wir übernachteten Baby-Kätzchen gab. Ich kann mich also noch gestochen scharf an das blauäugige Fellknäuel, das ich Nala getauft hatte, erinnern. Auch weiß ich noch als wäre es gestern gewesen, wie wir damals einen winzigen Schokoladenkuchen für meinen Papi zum Geburtstag kauften, der gefühlt drei Kilogramm wog und von dem jedem einzelnen von uns bereits nach einem Stück schlecht war. Erinnerungen an unseren nächtlichen Game Drive oder den Ausflug an das Kap der guten Hoffnung hingegen sind verschwommen. Warum das ausgerechnet so herum ist, weiß ich leider auch nicht.

Nur eine der Hauptattraktionen ist mir bis zu meiner erneuten Reise noch hundertprozentig gegenwärtig geblieben. Der Tafelberg. Eines der sieben Weltwunder und der wohl schönste Ausblick über Kapstadt. Den ich allerdings nie gesehen hatte. Warum? Nun es ist nicht so als hätten wir nicht hochgewollt, doch Hanna und ich waren wohl noch zu klein, um den steilen Aufstieg zu bewältigen. Zum Glück hätte es dafür ja noch die Seilbahn gegeben. Doch als wir damals am Fuß des berühmten Berges standen und mein Vater die Seilbahnen hoch und runter fahren sah, wurde ihm ziemlich mulmig zu Mute. So mulmig, dass die Höhenangst damals diese Aussicht für uns unzugänglich machte. Als ich damals also im Flieger nach Südafrika saß, nahm ich mir genau eine Sache vor. Dieses Mal würde ich es auf den Table Mountain schaffen. Koste es was es wolle.

Doch mit dem verflixten Tafelberg ist das leider nicht so einfach. Zunächst brauch man ein gewisses Zeitfenster. Der Aufstieg soll schließlich circa zwei bis drei Stunden dauern. Und dann gibt es noch ein bestimmtes Wetterphänomen, das den Aufstieg auf den Berg, der optisch an einen Tusch erinnert, verhindern kann. Manchmal legt sich die sogenannte Tischdecke über den Table Mountain. Eine dicke Wolke würde also den Ausblick auf Kapstadt unmöglich machen, wenn man das Ziel erreicht hat, da man sich dann tatsächlich in der Wolke selber befinden würde. Und so war ich bereits etliche Male auf dem Foodmarket an der Waterfront, befuhr noch öfter dem Tafelberg auf der N2 entgegen und fand mich bereits auf Kapstadts Straßen ohne Google Maps zurecht, bevor es endlich so weit sein sollte. Bevor ich endlich die Besteigung der nicht vorhandenen Bergspitze in Angriff nehmen sollte.

Gestern war es also so weit. Zusammen mit Katina und Noa quälte ich mich die ersten Steinstufen unter der Seilbahn entlang in der Mittagshitze hoch. Das Zeitmanagement von uns drei Blondinen war wohl tatsächlich nicht ganz so optimal. Doch immerhin hatten wir an unsere coolen Käppis, die zu unserem typischen Coach-Outfit gehören, gedacht und so konnte ein Sonnenstich oder schlimmeres doch noch verhindert werden. Mit einem begeisterten „1-2-3-Power!“ (Ja wir haben am Strand ein bisschen zu oft „Die Drei Ausrufezeichen“ gehört) nahmen wir also die ersten Stufen. Ungefähr zehn Stufen dauerte diese Begeisterung an und schon sehnten wir uns nach dem Teil der Wanderung, wo wir die blöde Treppe hinter uns gelassen hatten und endlich den richtigen Pfad entlang stapfen konnten. Doch den mussten wir erstmal erreichen. Also setzen wir tapfer einen Fuß vor den anderen – oder eher über den anderen – und sahen nur gelegentlich sehnsüchtig nach oben, wenn die Seilbahn wieder für ein paar Sekunden ihren Schatten auf uns warf und ihre Gäste weiter zur Bergspitze transportierte.

Drei Tomaten in der südafrikanischen Mittagssonne

Von uns dreien hatte nur Noa zuvor den Tafelberg bestiegen. Und als wir schließlich zum Ausgangspunkt des richtigen Wanderweges traversierten beichtete sie uns das es dann erst richtig losgehen sollte. Mittlerweile hatten wir allerdings die Musikbox angeschaltet und hörten unsere Sommer-Playlist. Deshalb war der Schock zunächst nicht ganz so groß. Doch als wir dann die Spalte erblickten, von der sie uns erzählte, dass der Weg dort über 50 Prozent Steigung haben sollte, wurde uns dann doch langsam bewusst, worauf wir uns da eingelassen hatten. Eine richtige Herausforderung. Nun umdrehen hört ohnehin eher weniger genützt, da der Weg hinunter genauso steil wie hinauf gewesen wäre. Zumal wir mittlerweile bereits mehr als die Hälfte des Weges hinter uns gebracht hatten. Also machten wir eine Trinkpause, zwangen Katina eine Banane zu essen, damit ihr nicht mehr so schwindelig war und stimmten uns mit dem passenden Soundtrack – „All the way up“ – auf den weiteren Marsch ein.

Etliche Stufen und noch ein paar Trinkpausen später. Wir hatten die Spalte erreicht. Stellt euch nach diesem Satz bitte dramatische Musik vor, um die Stimmung zu unterstreichen. Der Weg war tatsächlich verdammt steil und unsere Oberschenkel brannten mittlerweile so sehr, dass man sich zu jedem weiteren Schritt auf die nächste Stufe überwinden musste. Einziger Vorteil? Durch die umliegenden Felswände gingen wir nun endlich im Schatten. Irgendwie überholten wir dann aber doch den einen oder anderen Wanderer, da ich zumindest langsam hungrig wurde und der Weg wohl auch nicht kürzer werden würde, wenn wir langsamer gingen.

Noch 100 Meter – nur wie viele Höhenmeter?

Und tatsächlich, nach zwanzig Minuten des puren Durchhaltens meinte Noa, dass sie es ab hier kennen würde. Es sei nicht mehr weit! Für den Endspurt wechselten wir dann noch unsere Taktik, um den Berg zu besteigen. Anstatt der vielen Pausen und des regelmäßigen Wartens auf die Arme Katina, der es an dem Tag leider wirklich nicht so gut ging, damit sie ihr Tempo laufen konnte, nahmen wir sie in die Mitte. Noa zog und ich schob von unten und so haben wir es dann schlussendlich gemeinsam geschafft. Der verflixte Tafelberg war nicht mehr verflixt. Wir hatten ihn erklommen! Ob sich die effektiv zweistündige Kletterei in der Hitze gelohnt hat? Nun ich glaube die Bilder sprechen für sich. Nur so viel möchte ich verraten, um den Table Mountain zu besteigen verzichteten wir auf den „Color Run“, für welchen Kapstadt ebenfalls berühmt ist. Alle anderen Volunteers waren dort und feierten während sie sich mit Farbe einsauten. Nun ich war seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr feiern, weil wir die Woche zuvor alleine in Hermanus waren, da viele im Urlaub waren und wie meine Oma Gitti sehr gut weiß gibt es kaum etwas das ich lieber tue als mich mit Farbe einzusauen. Dennoch würde ich mich an jedem Tag wieder für den Table Mountain und gegen den „Color Run“ entscheiden.

Eine neue Perspektive von Kapstadt und dem Lions Head

Einfach nur glücklich … und auch ein bisschen fertig!

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