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The Taste of Capetown

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Der 13. Oktober. Zwar handelte es sich nicht um einen Freitag sondern um einen Samstag, und dennoch habe ich die letzen zwei Monate nicht gerade freudig diesem Tag entgegengesehen. Es war der Tag meines TOEFL Testes. Ich wusste weder, wie ich mich so richtig darauf vorbereiten sollte, da diese App irgendwie nur so halb funktionierte, noch, ob ich das Ergebnis am Ende wirklich brauchen würde. Dementsprechend habe ich jegliche Vorbereitung ganz dem Lernstil entsprechend, den ich wohl noch aus meinen Schulzeiten (ganz weit in der Vergangenheit :) ) übernommen hatte, erfolgreich vor mir her geschoben.

Einen Lichtblick gab es allerdings. Der Test würde in Kapstadt stattfinden. Das bedeutete, dass ich mir einen Mietwagen holen musste, da die Autos der Foundation nur für kurze private Trips zur Verfügung stehen. Und da der Test bereits morgens früh begann, würde ich zumindest eine Nacht in einem Hostel schlafen müssen. Somit wären bereits zwei der Dinge gebucht, die man auch für einen Wochenendausflug nach Kapstadt benötigen würde. So wurde ein Prüfling also zu einem Prüfling mit einem zehn Mann starken Begleitschutz. Statt einem kleinen Mietwagen wurde ein kleiner und ein geräumiger 7-Sitzer (mit ziemlich schwacher Motorleistung) gebucht. Und die eine Nacht wurde um eine weitere verlängert. Mehr oder weniger alles wurde eingepackt (tatsächlich haben wir ziemlich viel vergessen) und schon konnte sich in das Erlebnis Kapstadt gestürzt werden.

Was haben diese 11 Volunteers also in dieser Großstadt angestellt, mag man sich nun fragen. Nun nachdem ich den ersten Abend – viel zu verantwortungsvoll- alleine im Hostel verbracht habe während die anderen feiern waren, und den Test zumindest am schnellsten (es wird sich wohl noch rausstellen, ob auch am besten oder zumindest gut) absolviert habe, wollte ich nur eins: Kapstadt erleben. Oder für dieses Wochenende wohl eher zutreffen: Kapstadt schmecken. Irgendwie haben wir nämlich versehentlich den Großteil des Wochenendes essender Weise verbracht. Als ich nämlich erschöpft den Testraum verließ, waren die anderen gerade zu Fuß auf dem Weg zum V&A Foodmarket an der Waterfront, sodass ich sie schnell einholen konnte. Okay, zugegebener Maßen mussten sie auf mich warten, weil ich zwischendurch an einer Ampel von ein paar Südafrikanern belagert wurde und mich über Angela Merkels Politik unterhalten musste. Alleine war mir das dann doch etwas unangenehm. Mit meinem Rudel wieder vereint, stand dann aber nichts mehr unserer kleinen kulinarischen Erkundungstour im Wege.

Probiert haben wir ziemlich vieles. Besonders praktisch, wenn man viele hungrige Mägen Besitz, ist nämlich, dass man viele Kleinigkeiten kaufen und teilen kann, sodass man sich überall durchfuttern kann ohne satt zu werden. Mein absolutes Highlight des Foodmarkets? Die Summer Rolls von „Lua“ in allen möglichen Varianten.

Selbstverständlich konnte ich Kapstadt nicht verlassen ohne das hiesige Schokoladeneis zumindest einmal zu probieren. Auch wenn das natürlich ziemlich riskant war, da ich das zuckrige Glück ja eigentlich nicht vertrage. Andererseits hatte ich mir zumindest eine Kugel auch wirklich verdient und ich denke, wenn man dieses Bild von Julia und ihrem Eis betrachtet, dann weiß man auch, warum ich mich dann dich für das Eis und gegen meine Gesundheit entschieden habe. Es macht eben einfach glücklich! Auch wenn das 65% Schokoladeneis zwar sehr gut war, aber einfach nicht mit dem bis jetzt ungeschlagenen Rezept von meiner Hanna mithalten kann. Es ist aber natürlich auch schwer das Weltbeste Eis zu schlagen.

Bilder sagen mehr als 1000 Worte und das Lächeln spricht für sich

Anschließend trödelten wir noch ein bisschen an der Waterfront herum. Kauften ein paar Socken für Ronja, die endlich unsichtbar in ihren Sportschuhen waren und nicht kunterbunt herausragten. Bestaunten die wunderschönen Souvenirs und mögliche Weihnachtsgeschenke auf dem Watershed Market. Und legten uns schließlich eine Kaffeemaschine für das Haus Hermanus zu. Besser gesagt, es wurde eine Maschine gekauft, anschließend vergessen, weshalb noch einmal umgedreht werden musste. So verstrich dann also doch recht zügig die Zeit, weshalb wir auf einmal in Zeitdruck gerieten. Um 7 Uhr hatte ich nämlich einen Tisch für elf Personen im berühmten „Mama Africa“ ergattern können. Allerdings mussten wir vorher noch einmal ins Hostel und wollten auch noch einen kleinen Spaziergang durch Bokap machen. Wie es also kommen musste, fand sich für diesen Programmpunkt zumindest keine Zeit. Zumindest wenn man sich noch frisch machen wollte. Als echter Abenteurer und hartgesottener Touri beschloss ich allerdings, dass ein schneller T-Shirt Wechsel es auch tun musste und so erkundeten Josepha und ich alleine das berühmte Viertel mit den bunten Häusern, um uns anschließend mit der restlichen Gruppe vorm Restaurant zu treffen.

Dort angekommen hieß es dann erneut auf die anderen warten, doch schließlich trudelten dann doch alle ein. Zwar wurde kurz gemurrt, weil das Restaurant 20 Rand zusätzlich zum Essen für Live Musik (die man in unserem Raum nur auf einem kleinen grauen Bildschirm mitverfolgen konnte) abrechnet, doch dann stand unserem perfekten typisch südafrikanischen Dinner nichts mehr im Weg. Hier gab es einfach alles: Vom typischen Nachtisch dem Malva Pudding bis zu Krokodilfleisch auf Satay-Spießen. Natürlich mussten wir alles ausprobieren. So haben zwei der Volunteers eine Platte bestellt, die nur aus verschiedenen Fleischsorten von afrikanischen Wildtieren bestand. Bestimmt eine halbe Stunde haben die beiden damit verbracht die verschiedenen Sorten zu analysieren und schließlich entsprechend ihrer Kriterien zu ranken. Das Fazit: Springbok schmeckte ihnen am besten während Krokodil eher an wässriges Hühnchen erinnerte. Ganz so experimentell bin ich allerdings nicht gewesen. Stattdessen habe ich das südafrikanische Nationalgericht – Bobotie – bestellt. Zwar handelt es sich dabei um einen Hackauflauf, aber wenn man schon in der Adresse für traditionelle Küche ist, dann fand ich zumindest, muss man dieses Stück Kultur auch einmal probieren. Und tatsächlich schaffen es die Capemalays diesen Auflauf so zu würzen, dass selbst Hack mit Banane irgendwie zu einem Geschmackserlebnis werden. Auch Katina war so begeistert, dass wir schon die ganze Woche über traditionell südafrikanisch kochen, extra ein fruktosearmes Pflaumenchutney für die kommende Zeit zubereitet haben aund uns erstmal ein besonderes Curry-Pulver zugelegt haben für das klassische Capemalay Curry. Eine wirklich gute Investition von 19.99 Rand. Dabei haben wir auch herausgefunden, dass man Bobotie genauso gut vegetarisch mit Linsen und Kürbis statt Hack machen kann.

Neues Lieblingsessen: Bobotie

Nächster morgen. Ein hungriger Trupp Volunteers macht sich langsam auf die Suche nach einem Frühstück. Wieder verschlägt es uns nach Bokap. Die zweite Hälfte möchte dann doch noch das Wohnviertel erkunden. Und während die anderen noch fröhlich damit beschäftigt sind Fotos zu schießen, hat es Josepha und mich schon wieder in einen Laden verschlagen. Und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: Während unseres Spazierganges am Vorabend hatten wir wunderschöne handgemalte Plakate an der Wand des Ladens entdeckt. Koeksisters wurden dort beworben. Da wir uns absolut nichts darunter vorstellen konnten, was das Bitteschön sein soll, fragten wir den Ladenbesitzer. So richtig wollte dieser uns unsere Frage allerdings nicht beantworten. Als wir nachhakten, ob es sich um eine Süßigkeit handele, meinte er nur, dass man davon so viel wie möglich essen solle. Ich zitiere: „Eat more, weigh less! You eat them and become pretty like me.“ Jedenfalls beschwor er uns und stellte fest, dass wir unmöglich Kapstadt verlassen konnten ohne seine Koeksisters probiert zu haben. Also versprachen wir ihm am nächsten Tag zwischen sieben und zehn Uhr wiederzukommen, damit wir sie frisch kosten konnten. Gesagt, getan. Dieses Versprechen haben wir auch wirklich nicht bereut. So richtig weiß ich zwar immer noch nicht, was Koeksisters genau sind, aber eins kann ich bestätigen: Man MUSS sie einfach probiert haben. Sie schmecken irgendwie nach Quarkbällchen mit Kokosraspeln nur noch viel besser.

Josepha im Koeksister-Himmel

Nachdem wir also dem restlichen Trupp begeistert von unserer Entdeckung berichtet hatten und nachdem jeder einzelne ebenfalls in den Laden gerannt war, um auch ein Koeksister zu probieren, konnten wir dann auch endlich zwei Blöcke weiter marschieren und uns in das süße Café Batavia zum frühstücken setzen. Zwar mussten wir uns auf zwei Tische aufteilen, weshalb ich leider nicht die gesamte Speisekarte beurteilen kann, die wir wahrscheinlich bestellt haben, aber zumindest an meinem Tisch sah alles köstlich aus. Und das war meine Abwandlung mit Spinat von einem Shashuka auch. Wir waren auch tatsächlich nicht einmal die lautesten in dem Café. Anscheinend war dieses nämlich auch eine beliebte Anlaufstelle, um eine Verlobung zu zelebrieren.

Ein gutes Frühstück macht schon einmal den halben Tag aus

Gestärkt vom Frühstück wollten alle dann noch einmal Kapstadt erkunden. Und hier wird es etwas chaotisch. Es wurde durcheinander gebrabbelt und jeder wollte woanders hin oder musste noch Postkarten besorgen, hatte Halsschmerzen und brauchte eine kleine Wunderkur und so weiter. Es wurde sich also aufgeteilt. Ich fuhr jedenfalls mit einer Mädelsgruppe und Daan nach Kirstenbosch, um uns den wunderschönen Botanischen Garten anzuschauen. Das war zumindest der Plan. Tatsächlich habe ich allerdings eher weniger von der lokalen Flora und Fauna mitbekommen. Irgendwie sind wir nämlich auf die Idee gekommen ein Musikvideo zu drehen. Es wurde also lachend durch den Park gerannt, über den Rasen gerollt, unter Parkbänken und hinter Büschen versteckt und zu dem Rest sollte ich mich wohl nicht näher äußern. Also überspringen wir den Teil und fahren mit dem Punkt fort, an dem die restliche Gruppe uns wieder einsammelte. Wir wollten nämlich ein weiteres Mal zum Foodmarket an der Waterfront, weil es uns da einfach so gut gefallen beziehungsweise geschmeckt hat. Und so erlebten wir so das Happy End unseres Capetown Wochenendes. Wäre das hier eine Folge von Bibi&Tina müsste ich jetzt wohl „Friede, Freude, Eierkuchen schreiben. Tatsächlich aß ich dort allerdings einen glutenfreien und sonst was freien Blueberry Cheesecake, der zwar nichts mit einem Cheesecake gemein hatte aber trotzdem unglaublich lecker war. Außerdem verließen einige von uns Kapstadt mit Beschwerden von denen wir zunächst dachten, dass es sich um eine Lebensmittelvergiftung handelte. Stellte sich dann doch heraus, dass sie sich stattdessen Magen-Darm eingefangen hatten. Zum Glück nur im anderen Haus. Also zumindest ein halbes Friede, Freude, Blueberry Cheesecake!

Cheesecake, der kein Cheesecake ist – aber mindestens genauso lecker

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