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Training in Hermanus – vom Banana Song und dem Trick der Woche

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Drei Wochen bin ich nun schon in Hermanus. Drei Wochen, in denen ich lernte mich nicht jedes Mal in Zwelilhe (dem örtlichen Township) zu verfahren. Drei Wochen, in denen ich mich daran gewöhnte mit einer alten Dame und ihrer Katze Peanut das Haus zu teilen. Drei Wochen, in denen sich das neue Trainerteam versuchte in den neuen Alltag einzuleben. Drei Wochen, das ist genau die Zeit, die ich zuvor in Gansbaai verbrachte. Und nach dieser Zeit? Wenn es wie jetzt gerade regnet, das Programm ausfällt und ich alleine in unserem dunklen Wohnzimmer sitze, weil die Jungs noch schlafen, wäre ich da manchmal gerne in dem trubeligen Gansbaai Haus? Ja. Doch wünsche ich mich auch dahin zurück? Bereue ich es in das Projekt nach Hermanus gegangen zu sein anstatt einzufordern in Gansbaai zu bleiben? Keine Minute. So komisch es klingen mag, aufgrund des Wetters habe ich heute einen Tag frei. Die Kinder haben pro Woche nämlich nur eine Schuluniform und die darf nicht nass und dreckig werden. Wir haben also einen ganzen Tag, um zu entspannen und die Zeit gemütlich in unserer neuen Heimatstadt zu vertrödeln. Das mag nun noch komischer klingen, aber ich freue mich über diesen freien Tag nicht. Denn tatsächlich wäre der Ort, an dem ich an diesem regnerischen Montag morgen am liebsten wäre, der kleine Acker, der ein Sportplatz darstellen soll, neben dem Schulgebäude der Hawston Primary School.

Was mache ich also in Hermanus, das so anders ist, dass ich es auf keinen Fall für das Training in Gansbaai eintauschen würde? Es liegt sicherlich nicht am täglichen Aufstehen um halb sieben, so viel kann zumindest schonmal gesagt werden. Vielleicht ist allerdings der Grund warum ich mich allerdings schon um diese Uhrzeit aus meinem warmen und kuscheligen Bett in die dunkle Kälte quäle, ein Grund, warum ich hier so glücklich bin. Jeden Morgen um acht beginnt nämlich unser Programm in besagter Grundschule. Anders als in Gansbaai sind wir hierbei immer komplett auf und alleine gestellt, da es hier lediglich zwei bezahlte Fußballcoaches gibt, die uns nachmittags abwechselnd unterstützen. Wie wir die Zeit mit den 1200 Kindern, die wir in dieser Schule wöchentlich unterrichten, umbringen hängt also einzig von uns ab. Nun mag man sich fragen, wie wir bitte Sport mit 1200 Kindern wöchentlich machen soll, wenn man lediglich eineinhalb bis drei Stunden vormittags zur Verfügung hat. Nun ja in der Hawston Primary School findet man Kinder von der ersten bis zur siebten Klasse. In jeder Stufe sind hierbei vier Klassen mit jeweils um die 35 Kinder. Vorgesehen ist, dass wir jede dieser Klassen für circa 20 Minuten aus ihren engen Klassenräumen befreien, um ein bisschen Abwechslung und Freude in ihren wirklich sehr strengen Unterricht zu bringen. So weit die Rahmenbedingungen. In der Umsetzung bedeutet das meist, dass wir als Warm-Up für die müden Kinder und vor allem für die vor Kälte zitternden Coaches den Tanz der Woche tanzen. In der ersten Woche stampften wir also abwechselnd mit dem rechten oder linken Fuß zum ,Cha-Cha Slide‘ , darauf folgte ein bisschen Square Dance zu ,Cotton Eye Joe‘ (yeehaaa) und mittlerweile ist Macarena an der Reihe. Anschließend wird die Gruppe in die Fußballer, die Netball-Mädels und vereinzelte Jungs und ein paar Neugierige, die sich an Hockey herantrauen aufgeteilt. Meistens bin ich hier tatsächlich nicht etwa die Hockeytrainerin, sondern leite das Netball Spiel an, weil die kleinen Mädchen immer mit Coach Lara trainieren wollen. Wirklich beibringen kann ich Ihnen dabei also nicht wirklich etwas, da ich nun mittlerweile auch mal die Regeln durchdrungen habe. Vielmehr läuft es also darauf hinaus, dass ein schnelles Match von zehn Minuten gespielt wird und ich lediglich darauf achte, dass niemand ausgeschlossen wird und das das Spiel fair bleibt. Abgeschlossen wird die Einheit dann mit dem Highlight jeder Stunde dem ‚Banana Song‘. Von der ersten bis zur siebten Klasse – alle scheinen es hier zu lieben, wenn die Bananen springen, tanzen, sitzen, schlafen und sich zu guter letzt von den Coaches verabschieden und zurück in die Klasse müssen.

Tatsächlich ist das allerdings nur der ungefähre Ablauf einer Sportstunde an der Hawston Primary School. Manchmal möchten die Kinder auch die zwanzig Minuten durchtanzen. Manchmal haben die anderen Volunteers aus Gansbaai zu der Kiki Challenge herausgefordert und die Zweitklässler müssen ihnen zeigen, wie das geht. Und nächste Woche wird wohl in einer Klasse der Hacka gelernt, denn irgendwie gibt es ich eine Klasse, die aus lauter kleinen All Black Fans besteht. Kurzum: In den zwanzig Minuten Freiheit am Morgen, machen wir mit den Kindern genau den Quatsch, der uns gerade in den Sinn kommt. Das passiert, wenn man drei Volunteers alleine auf 1200 Kinder loslässt, um sie zu bespaßen. Dann haben nämlich 1203 Kinder Spaß.

Hier seht ihr die Kiki Challenge mit den Kids. Es ist alles dabei: Von Dancing King in diesem Fall bis hilflos überfordert, aber sehr süß!

Nachmittagsprogramm. Hier wird es etwas komplizierter. Zumindest von den Zeiten her, da wir in drei Schulen abwechselnd sind. In Zwelilhe, Mount Pleasant und Hawston. Eine Black Community und zwei Coloured. Eigentlich unterscheiden sich die verschiedenen Trainings aber auch nur in der Lage. Ansonsten sind die Voraussetzungen überall gleich. Ein hubbeliger Untergrund, der aus einer Mischung aus Rasen und Sand besteht. Eine Tasche voller Holzschläger – mal mit und mal ohne Griffband. Und exakt sechs Bälle mit denen wir zwei Stunden Training geben sollen. Wie wir diese zwei Stunden füllen bleibt den beiden Hockeycoaches – Daan und mir – überlassen. Tatsächlich gestaltet es sich aber schwierig in Südafrika zwei volle Stunden Training zu geben. Die Gruppen sind von ihrem Können sehr durchmischt. Überwiegend handelt es sich nämlich um wahnsinnig nette und aufgeschlossene Kinder, die aber kaum bis gar keine Hockeyerfahrung haben und unregelmäßig kommen. Und dann gibt es in jeder Gruppe ein paar Ausnahmen. Kinder, die bereits eigene Schläger besitzen. Kinder, die bei Wind und Wetter kommen. Kinder, bei denen man sich fragt, wo sie gelernt haben so zu spielen. Auch diese Kinder müssen neben den Anfängern auf ihre Kosten kommen.

Zwei Stunden mit Übungen und Spielen zu füllen gestaltet sich tatsächlich fast unmöglich, wenn man auch ein produktives Training haben möchte, bei dem die Kinder etwas lernen. Mehr als zwei Technik Übungen halten sie schwer durch, weil sofort die Aufmerksamkeit schwindet. Wirklich Athletik Training ist auch nicht drin, weil der Spaßfaktor fehlt. So haben Daan und ich uns ein Konzept überlegt, bei dem die Kinder zwar zwei Stunden beschäftigt und von der Straße fern sind, aber nicht durchgängig trainieren, um die Qualität des Hockeytrainings selber zu verbessern. Als Einstieg werden meist Spiele ohne Schläger gespielt. Manchmal beginnen wir auch mit einer kleinen Einheit über FairPlay oder stellen ihnen kleine Challenges, die es im Team zu bewältigen gilt. Auch wenn man manchmal riskiert auf den unebenen Boden zu plumpsen, wenn die Kinder ihren Coach gemeinsam tragen sollen. Anschließend geht es an die Technikübungen, die sich aber meistens auf grundlegende Fertigkeiten beschränken. Mit Autoreifen, leeren Klopapierrollen und ein paar Hütchen versuchen wir ihnen einzuprägen welche Seite des Schlägers zum Spielen da ist und anschließend das passen, dribbeln, lupfen und laufen mit dem Ball näher zu bringen. Vor dem Match des Tages, bei dem ein Coach meist bei der verlierenden Mannschaft unterstützt und der andere versucht zumindest die gröbsten Fouls im Gewühl zu erkennen, hilft der Banana Dong abermals auf das Spiel einzustimmen und die Kinder heiß zu machen.

Die letzten zehn Minuten allerdings sind uns zumindest besonders wichtig. Wir wollen den Kindern nämlich nicht nur ein bisschen was beibringen. In einer derartigen Position sehe ich zumindest mich auch gar nicht. Sondern uns ist es wichtig, dass wir auch etwas von den Kindern lernen. Abgesehen von den Erfahrungen, die wir ohnehin durch die sammeln, möchten wir, dass sie aktiv die Rolle eines Lehrers einnehmen und ihren Coaches etwas beibringen. Im Gegenzug für den Trick der Woche, lernen Daan und ich jede Woche ein Wort oder einen kleinen Satz auf Xhosa. Das ist unser kleines drei Wochen altes Ritual. Jeder fängt ja mal klein an. Es bleiben zum Glück noch vier Monate, um daraus eine richtige Tradition zu machen. Leider habe ich bis jetzt auch erst gelernt, wie ich mich vorstelle und wie ich mich für das leckere Essen bedanke, weshalb ich mich nun nicht auf Xhosa verabschieden kann, aber was noch nicht ist kann ja noch werden.

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