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Gansbaai Highlights – things to do besides Shark Cage Diving

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Nun sitze ich hier. In meiner neuen Küche. Nach drei Wochen wieder umgezogen. Von Gansbaai aus dem kleinen Fischerörtchen nach Hermanus in das etwas größere Fischerörtchen. Draußen regnet es. Weil die Kinder nur eine Schuluniform haben und die nicht nass werden soll, fällt das Training aus und wir haben frei. Was macht man also als Volunteer wenn man gerade kein Volunteer ist? Man könnte zum Beispiel, wie ich eben, den Fragebogen von Grootbos ausfüllen, indem man dann genau dazu Stellung nehmen soll: „I have found ample opportunities to enjoy activities outside the foundation.“ Und tatsächlich habe ich dieser Aussage zugestimmt und das nicht nur um zu schleimen. Der Fragebogen war nämlich anonym. Hier kommen also meine Highlights aus meinen drei Wochen in Gansbaai.

1. Den Altersdurchschnitt im Sea View

Das Sea View. Der einzige Club, den Gansbaai zu bieten hat. Begrüßt wird man von einem netten Herr (und das ist hier tatsächlich angebracht, weil er mindestens zu der Generation Ü40) in einem selbstgeknoteten Crop-Top, das seine Kurven in Szene setzt. Beziehungsweise seinen Bierbauch betont. Getanzt wird dann zu einem bunten Mix aus Musik auf Afrikaans und den Charts von 2010, wobei die Übergänge des DJs den automatischen Übergängen von Spotify gefährlich ähneln. Das ganze wird mit liebevoller Dekoration wie einem Zebra mit einer Zigarette im Maul abgerundet.

Mag sein, dass diese Beschreibung bei dem einen oder anderen nun die Frage aufgeworfen hat, warum ausgerechnet diese Location bei meinen Highlights gelandet ist. Nun abgesehen von dem Fakt, dass sich das Sea View den Titel als bester Nachclub Gansbaais aus dem simplen Grund verdient hat, dass es der einzige ist, hatte ich schlichtweg einen wahnsinnig lustigen Abend. Denn auch wenn die Menschen, die man dort trifft, auf den ersten Blick etwas komisch wirken (übrigens auch auf den zweiten Blick), so ist es dort eben egal, ob du in Sportklamotten feierst oder den Tanz, der hier typisch ist, als einzige nicht kannst. Und die Menschen, mit denen du dorthin gekommen bist, machen eben sogar den Ausflug zu einem Ort wie das Sea View zu einem echten Vergnügen. Allerdings nur zu einem befristeten denn spätestens um ein Uhr nachts ist dort Schicht im Schacht.

2. Gratisschlemmen in der Garden Lodge und Kellner kennenlernen

Da die Grootbos Foundation eben nicht nur ein gemeinnütziges Projekt für die Gemeinde in Gansbaai ist, sondern auch an eine luxuriöse Lodge in der Gegend gebunden ist, die die Foundation mit finanziert, hat jeder Freiwillige in seinem Volunteer Leben einmalig die Chance auf das wohl günstigste 5-Gänge Menü in einem Luxushotel der Welt. An einem Abend darf man nämlich in der Garden Lodge essen gehen. Und für jene, für die das noch nicht verlockend genug klingt, denen sei gesagt, dass man zusätzlich eben einzig die Getränke am Abend zahlen muss. Das Essen, was auf frisch geernteten Gemüse und Zutaten von der eigenen Farm basiert, war kurz gesagt einfach der Knaller. Und wie man unten erkennen kann, war nicht nur das Essen geschmacklich hervorragend, sondern der Service war so gut, dass wir sogar einen Nachtisch für unsere Fahrerin mitnehmen konnten. Revanchiert haben wir uns dafür natürlich, indem wir unseren Kellner, der bei uns um die Ecke wohnt, zu unserem nächsten Braai eingeladen haben.

3. Schwimmen in der Drip Cave in De Kelders

De Kelders. Der Name eines Stadtteils auf Afrikaans. Übersetzt bedeutet dieser „The Caves“. Und dennoch habe ich drei Wochen in diesem Teil Gansbaais gewohnt ohne überhaupt den Ursprung des Namens zu erahnen. Keine Schilder wiesen auf derartige Attraktionen hin. Niemals verirrten sich Touristen in die verlassenen Straßen. Das einzige, was man mir von den Höhlen erzählte, war, dass man dort bei gutem Wetter grillen könne, aber dort momentan Kadaver von Robben verwesten, weshalb wir eher einen Bogen um die meisten Höhlen machten. Bis auf einmal ein Praktikant, der bei uns im Haus lebte, vorschlug eine Höhlentour zu machen. Im ersten Moment löste das bei mir wenig Begeisterung aus um ehrlich zu sein. Doch dann erwähnte er, dass wir Schwimmsachen einpacken sollten, weil man dort anscheinend baden konnte. Und so wurde das gesamte Haus überzeugt am Freitag Nachmittag dick eingepackt in Klamotten (absolut überflüssig) zu den öffentlichen Toiletten an den Klippen zu laufen. Auch dort schien zunächst nichts auf eine wirkliche Attraktion hinzuweisen. Als schließlich zwei Männer mit Stirnlampen und weißen Bauarbeiterhelmen aus einem Auto ausstiegen, entdeckten wie schließlich auch das braune Schild, das in einen Busch auf den Klippen zeigten. Dahinter verbarg sich ein kleiner Weg und was uns am Ende des Weges erwartete seht ihr hier.

Die Höhle ist zwar nicht sonderlich groß, aber dafür umso schöner. Voller Steinformationen, die nach Essen benannt sind, denen sie ähneln. Und zu guter letzt das feucht-fröhliche, wenn auch sehr kalte, Highlight – der kleine höhleneigene Pool.

4. Sunrise Hike in den Dünen

Was gibt es schöneres als südafrikanische Arbeitszeiten? An jenem Dienstag begann unser Arbeitstag pünktlich um 13:45 Uhr. Natürlich sollten wir fünfzehn Minuten vorher an der Grundschule in Masakhane sein, für den Fall, dass wir etwas vergaßen. Um 13:15 Uhr würden wir also frühestens das Haus verlassen müssen. Perfekt also zum Ausschlafen. Anschließend ein gemütliches Frühstück mit Pancakes. Volunteer müsste man sein!

Nun ja so viel zu der Theorie. Tatsächlich klingelte unser Wecker bereits um 05:45 Uhr. Verschlafen schlugen wir die Augen auf. Zumindest Anne und ich. Die anderen beiden drehten sich grummelnd auf die andere Seite. Warum genau mussten wir uns um diese Uhrzeit nochmal aus dem Bett quälen? Wer kommt denn bitte auf derartige Ideen. Nun ja eben jene Volunteers, deren Arbeitstag erst um 13:45 Uhr beginnen würde. Denn der freie Vormittag sollte für eine kleine Wanderung zu den örtlichen Dünen genutzt werden, um dort den Sonnenaufgang zu beobachten. Und so verließen wir schließlich doch mehr oder weniger pünktlich um halb sieben das Haus, um uns vor Kälte bibbernd auf zum Strand zu machen. Doch je weiter wir voran schritten, desto heller wurde es. Und mit jedem hervor blitzenden Sonnenstrahl, taute die gefrorene rote Nase langsam auf. Schließlich begannen sogar unsere beiden Schlafmützen Weihnachtslieder zu singen, sodass wir zwar wenig von den Vögeln mitbekamen, auf die wir eigentlich achten sollten während wir querfeldein durch das Gestrüpp stapften, aber diese morgendliche Wanderung zu einem absoluten Highlight meiner Zeit in Gansbaai wurde.

5. Jeden Tag zu den Klippen

Im Volunteer House gibt es eine Menge Regeln, die zum einen das Zusammenleben ermöglichen, aber vor allem dafür sorgen, dass die Foundation Geld spart. Eine dieser Regeln lautet: „Do not move the furniture.“ Die Möbel sollten wir also unberührt an ihrem Ort lassen. Nun das ist auch schön und gut nur weiß man mittlerweile kaum noch, an welchem Ort dieses Möbelstück wohl ursprünglich stand. Tatsächlich wird diese Regel meist folgendermaßen befolgt. Man schiebt das Sofa vor den Kamin, ruft lauthals „Do not move the furniture!“, lacht und setzt sich hin. Und so gibt es eben ein Polster, dass mittlerweile eigentlich bloß aus einem Stück Schaumstoff besteht, welches regelmäßig das Haus verlässt, um einen kleinen Ausflug zu den Klippen zu machen. Sollte es nämlich der Fall sein, dass das Nachmittagsprogramm pünktlich endet, und sollte dann auch noch der Fall eintreffen, dass zur Abwechslung kein Großeinkauf bei Spar im Anschluss nötig ist, so gibt es nichts Schöneres als sich auf zu den Klippen zu machen und den täglichen Sonnenuntergang zu betrachten. Wenn es nämlich eins gibt, dass in Südafrika jeden Tag funktioniert und pünktlich ist, so ist es der wunderschöne Sonnenuntergang über der Bucht, die von einem Bergpanorama umrandet ist. Zunächst versinkt die Sonne tieforange im Meer, dann verfärben sich die Wolken langsam rosa und zu guter letzt beginnen die Lichter von Hermanus auf der anderen Seite der Bucht zu funkeln.

Kurzum: Gansbaai ist und bleibt ein Fischerörtchen. Viel gibt es dort nicht. Man lebt dort einfach. Abgesehen von dem Shark Cage Diving, was sie dort anbieten, wird man kaum auf Touristenattraktionen stoßen. Doch für mich war es eben genau diese Einfachheit, die ich an Gansbaai so lieben gelernt habe. Denn auch derartig kleine Ausflüge, die zunächst unspektakulär klingen, können zu unvergesslichen Erfahrungen werden.

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