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„Damals“ (vor knapp zwei Wochen), als ich am Capetown International Airport landete, wurde ich von drei Mädels eingesammelt. Drei Mädels, die während der Autofahrt gemeinsam zu One Direction Liedern mitsangen. Drei Mädels, die alle fünf Minuten anfingen zu kichern über irgendeinen Insider, dessen Entstehung mir mehr als schleierhaft war. Und drei Mädels, die mir begeistert von einem Projekt erzählten, mit Namen und Begriffen um sich warfen, die ich alle nicht kannte. Und schließlich erwähnten zwei von Ihnen in einem Nebensatz, dass sie selber erst vor zwei Wochen bei Grootbos angefangen hatten. Zwei Wochen. Würde ich in zwei Wochen auch wie diese drei Mädels sein?

Im Volunteer House angekommen begrüßten mich alle freundlich. Fragten mich wie es mir ging, wie mein Flug war. Dann machten sie sich wieder daran den Nudelauflauf als Abendessen zuzubereiten. Dafür hatten sie am Vormittag extra eingekauft und mich auch mit eingeplant. Also wurde mir sogar als erstes aufgefüllt, als wäre ich ein Gast. Und genauso fühlte ich mich an diesem Abend auch. Also nahm ich mir vor zumindest beim Abwaschen zu helfen. Betonung liegt hier allerdings auf vornehmen. Denn ehe ich es mich versah, standen bereits zwei an den Waschbecken und spülten wie verrückt, die nächste schnappte sich einen Besen und als ich fragte, ob ich denn abtrocknen soll, hieß es, dass das nicht nötig sei und die Handtücher sowieso bereits durchnässt wären. Also zeigte man mir die Dusche und so schlief ich an meinem ersten Abend in Südafrika ein und wunderte mich darüber, dass ich mich so merkwürdig abhängig fühlte. Abhängig weil ich noch keine Vorräte an Essen hatte, mit denen ich kochen konnte. Abhängig weil ich bei jeder Kleinigkeit fragen musste. Wo ist das Waschmittel? Wie macht man jenes Gerät an? Hat der Topf einen Deckel, der passt? Und abhängig, weil mir bei all den Programmpunkten nichts anderes übrig blieb als hinterherzulaufen. Was machen wir denn überhaupt in Blompark, Funimfundo oder Masakhane überhaupt?

Doch im Laufe der Woche lernte ich langsam, dass Jill in der Regel um viertel nach sieben duscht. Wenn man also um 07:10 Uhr ins Bad huscht, kann man sich schnell das Gesicht waschen ohne jemanden zu stören, weil die anderen sich frühestens um halb acht aus dem Bett quälen. Wenn man Wasser kaufen möchte so muss man das in der Regel vor fünf Uhr am Nachmittag machen, weil Aqua Angels sonst geschlossen hat. Außerdem schafft man es dann nach dem Training, wenn man sich beeilt, noch zum Sonnenuntergang auf den Klippen um zehn vor sechs.

Mein erster Sonnenuntergang

Nach einer Woche hatte ich also nicht nur endlich einen Schrank, weil eine von den Volunteers leider schon gehen musste. Sondern ich wusste, dass Friday in Südafrika Braai Day ist. Dass man einfach anfangen kann abends zu kochen, auch wenn Anne sagt, dass sie noch keinen Hunger hat, denn diesen Zustand gibt es bei ihr schlichtweg nicht. Sobald das Essen auf dem Tisch steht, isst sie trotzdem. Meistens muss man auch schon davor die Feta-Würfel vor ihr verteidigen – oder man kann es zumindest versuchen. Und dass auch wenn man heute mit abwaschen dran ist, Jill trotzdem jedes Mal in der Küche steht und den Boden fegt.

Nun bin auch ich zwei Wochen hier. In einer Woche werde ich nach Hermanus umziehen. Und auch wenn ich schon wahnsinnig gespannt bin, wie das Training dort ablaufen wird. Wo ich wohnen werde und was ich mit den beiden anderen Volunteers, die diese Woche ankommen, dort erleben werde, so ist es für mich im Moment einfach unvorstellbar. Unvorstellbar, weil ich mich gerade daran gewöhnt habe nicht einfach immer von Menschen umgeben zu sein, sondern von diesen Menschen. Unvorstellbar, weil auch wenn mir von Anfang an bewusst war, dass ich nur drei Wochen hier bleiben würde, sich das Volunteer House in Gansbaai wie ein Zuhause anfühlt, in welches ich abends nach dem Training zurückkehre. Aber vor allem ist es für mich gerade unvorstellbar zu wissen, dass noch zwanzig Wochen Südafrika vor mir liegen, aber dass ich die kommenden Erfahrungen alleine machen werde. Oder zumindest mit Menschen, die ich noch nicht kenne. Aber das auch nur bis diesen Mittwoch. Dann heißt es erneut eingewöhnen.

Mein letzter Sonnenuntergang

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  1. Großartige Berichte von Dir aus Deiner neuen Umgebung. Mögen Dich nur gute Erfahrungen begleiten. Liebe Grüße Gesa und Peter Hain

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  2. Hey Lara, ein wirklich gelungener Post! Vielleicht magst du in den nächsten Posts ja mal etwas über die Lebensumstände generell schreiben. Was gibt es dort zu essen und zu trinken, wie steht es um fließendes Wasser (Dusche, Waschmaschine, etc.) und Elektrizität, bezahlt man mit Bargeld oder auch bargeldlos, gibt es WLAN, Mobilfunk? Das würde mich mal interessieren :)

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    • Hey, vielleicht gehe ich darauf nochmal näher in ein, wenn ich etwas länger in Hermanus war. Hier ist nämlich einiges anders und ich bin mich gerade noch am eingewöhnen. Generell kocht man allerdings für sich selber und die Supermärkte haben bis auf ein paar spezielle Dinge ähnliche Preise und Lebensmittel wie in DE. In Gansbaai muss aus Wasserkanistern trinken, die man für ein paar Rand immer wieder auffüllen lassen kann. Fließendes Wasser gibt es eigentlich, nur gab es als ich da war einen Rohrbruch, weshalb es während der letzten Woche vorkam, dass es für eine halbe Stunde mal kein Wasser hab wegen der Reparaturen. Das ist aber immer wiedergekommen. Das Badezimmer ist wirklich sehr schön und man kann ganz normal duschen, es wird auch fast immer warm. Die Waschmaschine geht zwar manchmal nicht auf, funktioniert aber. Elektrizität muss man regelmäßig im Supermarkt aufladen und wenn man nicht gerade mit einem Messer sein Toast aus dem Toaster holt sollte es zu keinen Stromausfällen kommen. Mittlerweile kennen wir uns aber auch mit dem Sicherungskasten ganz gut aus 😅 WLAN gibt es und die meisten haben sich eine südafrikanische SIM-Karte geholt, die man auch im Supermarkt auflädt und mit der man telefonieren kann. Generell ist also alles vorhanden, allerdings kommt es ab und zu zu Unregelmäßigkeiten, mit denen man aber lernt umzugehen und sie zu beheben!

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      • Hey, danke für deine Antwort :) Das klingt ja schon mal sehr gut. Wie kann man sich das vorstellen, wenn man die Elektrizität im Supermarkt aufladen muss?

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      • Also in jedem Haus ist ein Stromzähler und wenn der Strom knapp wird dann muss man zu so einem extra Schalter gehen, wo man beispielsweise auch Data für das Handy kaufen kann … dort bezahlt man dann eben wie viel man haben möchte und dann bekommt man dafür einen Code und wenn man den zuhause bei dem Stromzähler eingibt, dann hat man wieder Strom 😊

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  3. Du löst bei mir Fernweh aus! Und übrigens, ich mag deinen Schreibstil sehr :) Wie ist es denn dazu gekommen, dass Du nach Südafrika gereist bist? Hast Du das alles selbst organisiert, oder hattest Du Hilfe von einer Organisation? Ich bin eben in einem Jahr mit der Schule fertig, und das einzige, was mich im Moment noch motivieren kann, das Jahr durchzustehen, sind die tollen Möglichkeiten, die sich nach dem Abschluss auftun werden.
    Alles Liebe
    Liliane

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    • Dankeschön! Leider ist Grootbos keines der Projekte, die von Organisationen wie Weltwärts staatlich gefördert werden. Ich habe meinen Aufenthalt also privat organisiert. Erfahren habe ich bin der Möglichkeit über meinen Hockeyverein, weil eben die Football Foundation ein wichtiger Teil des NGO‘s ist. Ich weiß aber, dass es auch Freiwillige gibt, die über eine Organisation vermittelt wurden. Das war aber nur eine bei uns im Haus, die anderen haben von Grootbos meist von Freunden erfahren. Ich hoffe, dass ich dir mit der Antwort etwas helfen konnte. Wenn du noch weitere Fragen bezüglich Projekten für nach der Schule hast, kannst du gerne dich gerne jederzeit melden und ich versuche dir so gut es geht auf alles zu antworte! 😊
      Alles Liebe
      Lara

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      • Liebe Lara, vielen Dank! Ich werde dein Blog weiterhin im Auge behalten, und vielleicht melde ich mich in ein paar Monaten nochmals, wenn ich dann genauere Pläne gemacht habe :)

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  4. Hey Lara,
    Mami hat mich darauf hingewiesen, dass Du wieder Deinen Blog schreibst. Und… Deine Patentante ist mega begeistert. Du hast wirklich einen tollen Schreibstil. Ich verschlinge alle Deine Berichte. Schon spannende Wochen liegen hinter Dir, und eine aufregende Zeit liegt noch vor Dir. Meine liebe Lara, fühl Dich gedrückt aus der Ferne. Bin mega stolz auf Dich.
    Deine Tante Caro

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