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Hockeytraining nach südafrikanischer Art

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Als Freiwillige ins Ausland und Hockeytraining geben. Mit Kindern aus den Townships in Gansbaai spielen. Ein bisschen Integration und ein paar Sprachbarrieren überwinden. So weit so gut, hatte ich mir damals gedacht. So sehr konnte sich das Trainieren von südafrikanischen Kindern doch gar nicht von dem Training in Deutschland unterscheiden. Oder?

Nun, bereits als ich das Volunteer House zum ersten Mal betrat und mich mit einigen von Ihnen unterhielt, fiel mir auf, dass sie sehr zu meiner Verwunderung immer wieder Lieder von einem „Big Fat Pony“ und tanzenden Bananen vor sich hin sangen. Man erklärte mir, dass man sich hier so aufwärme vor dem Training. Anscheinend gab es doch noch ein paar andere Unterschiede im Trainingsprogramm abgesehen von der Sprache. Etwas verunsichert fieberte ich dennoch dem Montag, meinem ersten Arbeitstag entgegen.

Pünktlich um halb neun erreichte das Volunteer-Auto samt acht mehr oder weniger motivierter Freiwilliger den Platz. Ein Naturrasen, der permanent an denselben Stellen gesprengt wurde trotz kürzlicher Dürre und Wasserknappheit in Kapstadt. Nach der morgendlichen Hektik, um ja rechtzeitig zu sein, konnten wir uns schließlich dort ein wenig erholen als wir auf die anderen Coaches und Kinder eineinhalb Stunden warteten. Schließlich sagte man uns, dass das Training heute ausfalle und nur ein Coaches Meeting abgehalten werden würde. Das war also die erste Lektion, die ich über das Trainieren in Südafrika lernen musste, denn die anderen bestätigten mir, dass man einfach damit rechnen müsse in Südafrika (auch vergeblich) zu warten. Die zweite Lektion sollte auch sofort folgen. Da wir nämlich im Auto gesessen hatten und Musik gehört hatten, um die Zeit zu überbrücken, war die Autobatterie leer und wir konnten den Motor nicht mehr starten. Also ein kleiner Tipp am Rande, sofern man es nicht darauf anlegen möchte von einem Mechaniker abgeschleppt zu werden, der mit einer Zigarette im Mund die Motorhaube öffnet, sollte man sich einfach eine Box mitnehmen und mit der Musik hören.

Dienstag. Neuer Tag. Neues Glück. Die Schulferien der Kinder waren vorbei und es wurde zum regulären Programm übergegangen. Alle schienen also zu wissen, was das bedeutet. Naja fast alle. Der erste Stopp, den wir machten, war an der Grundschule in Masakhane. Mit den Jungs dort sollten wir Fußball spielen, während mit den Mädchen verschiedene Ballspiele „auf dem Programm“ standen. So stand ich also mit zwei anderen Volunteers auf den Platz und sollte irgendwie drei Mädchen mit Ballspielen beschäftigen. Und auch wenn das jetzt etwas komisch klingt, selbst drei Kinder für drei Trainer können überfordern. Denn wir versuchten Ihnen ein Spiel zu erklären, kam die Antwort „No English, I speak Xhosa“ gefolgt von einem Wortschwall, auf den man nur mit einem gequälten Lächeln antworten konnte. Also verbrachte ich die erste Trainingseinheit damit einem kleinen Mädchen (Onelha – wenn man sie so schreibt) beizubringen, wie man sich auf Englisch vorstellt und welche Farben die Hütchen haben.

Nachmittags machten wir uns dann auf zum Hockeyplatz für das richtige Training. Die erste Aufgabe, die wir dort zu erledigen hatten, war das Schmieren von gefühlt hundert Peanut Butter and Jam Sandwiches. Einer der Gründe, warum manche der Kinder überhaupt zum Training kommen, wie man mir erklärte. Abgesehen davon, lernte ich an jenem Tag folgende Dinge: Erstens, wenn man in einer schwarzen Leggings Training gibt, muss man damit rechnen, dass einer der Jungs eine viertel Stunde auf dich einredet, weil er sie unbedingt haben möchte, um sie zum Hockey spielen anzuziehen. Ich glaube die werde ich wohl nicht mit wieder nachhause nehmen, wenn ich nicht jedes Training von ihm darauf angesprochen werden möchte. Ich weiß zwar nicht, wie es um seine Ausdauer beim Laufen steht, aber beim Reden ist er ganz weit vorne mit dabei. Und zweitens, wenn ein Kind auf dich zugelaufen kommt und sagt „No, coach, nooo I’m not lying“, lügt es immer. Drittens, wenn man mehr als ein dekoratives Element auf dem Naturrasen sein möchte, sollte man nicht darauf warten, dass der Headcoach Shereen einem eine Aufgabe zuteilt und braucht eigentlich auch nicht danach zu fragen, sondern man muss sich einfach ein paar Hütchen schnappen, eine Übung aufbauen und loslegen.

Genau das hatte ich mir für den nächsten Nachmittag vorgenommen. Also begann ich direkt das Aufwärmen. Da man als Trainer hier alles mit beziehungsweise vormachen muss, tat ich in meinem Übereifer genau das. Känguru-Sprung inklusive. Wie man sich vielleicht denken kann, war das nicht gerade mein hellster Moment, denn den Rest des Trainings war ich dann ein humpelnder Schiedsrichter. Doch abgesehen von diesem Zwischenfall und zwei Jungs, die barfuß gespielt hatten und natürlich abgeschossen wurden, ging dieses Training nicht nur ohne größere Katastrophen zu Ende, sondern war mein erster Erfolg.

Und nun nach zwei weiteren Tagen als Volunteer, kann ich sagen, dass ich mich auf die nächste Arbeitswoche freue. Darauf, dass Onelha mir wieder freudig lachend entgegenläuft und mich voller Stolz mit einem „Hi Anne“ begrüßt, weil sie meint meinen Namen gelernt zu haben. Das muss ich ihr glaube ich noch erklären. Darauf, dass die Mädchen, die sich letzten Donnerstag ebenfalls zum Hockeytraining getraut haben, wieder eine halbe Stunde zum aufwärmen singen und tanzen wollen. Auch wenn ich den Ohrwurm von „Big Fat Pony“ auch nach drei Tagen nicht losgeworden bin. Und darauf, am Freitag wieder zum Klettergerüst und wahlweise Teddybär zu werden, wenn wir wieder den örtlichen Kindergarten besuchen. Nächstes Mal flechte ich aber meine Haare, denn zehn neugierige Hände auf einmal darin rumwühlen zu haben, kann auch etwas zu viel des Guten sein.

6 Comments Join the Conversation

  1. Andere Länder, andere Sitten, das kommt in Deinem Beitrag sehr schön rüber. Es freut mich zu lesen, dass Du so offen damit umzugehen weisst. Am Ende hast Du mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Darum geht es doch beim Reisen! Nicht in einem Luxushotel von unterbezahlten Angstellten bedient zu werden, sondern selbst Schwierigkeiten zu meistern, Lebenserfahrung zu sammeln und daran zu wachsen. Das sind die Erlebnisse, die einem für immer bleiben werden.

    Alles Liebe
    Liliane

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    • Hey Liliane,

      Ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut und bin sehr dankbar für das Feedback! Ich finde auch, dass du echt recht hast, was das Reisen angeht … das ist genau das, was ich mir auch vom Reisen wünsche. Alles Liebe.

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  2. Hey Lara, endlich schreibst du wieder etwas auf deinem Blog! Ich freue mich auf viele weitere Beiträge :)

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  3. Was hört such etwas chaotisch aber auch so toll an😍 Ich freu mich schon so darauf wenn ich endlich fliege…

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