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Hamburg goes sustainable

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Wenn ich Menschen erzähle, dass ich nur noch Fair Trade Klamotten kaufe, werde ich entweder schief angeguckt oder aber es hagelt Ausreden, warum es ihnen niemals möglich wäre, ein nachhaltiger Konsument zu sein. Oft hört man dann „Das ist doch viel zu teuer!“ oder aber auch, dass sie gar nicht wüssten, wo man Fair Fashion kaufen kann. Dabei muss das doch gar nicht sein, denn wir sind ja nicht im Mittelalter und ich bin auch kein Missionar auf Kreuzzug. Dennoch sind diese Aussagen zum Teil Irrtümer, die ich in diesem Artikel gerne aus dem Weg räumen würde.

Genauso wie in der „normalen“ Fashion Industrie gibt es auch bei den nachhaltigen Marken preiswertere und eben auch teurere, man muss nur wissen, wo es eben diese Marken gibt. Und das bedeutet eben in erster Linie sehr viel Recherche. Natürlich kann man einfach bei Google Maps „Fair Trade Laden Hamburg“ eingeben, aber dann wird man feststellen müssen, dass viele der Adressen schlichtweg nicht vorhanden sind und man vor verschlossenen Türen steht. Oder aber, dass es die Läden gibt, nur dass sie eher an eine andere Zielgruppe gerichtet sind, nämlich eher so für 40 +. Hinzukommt, dass es viele Labels gibt, die fair produzieren, es aber nicht in Großbuchstaben an ihr Schaufenster schreiben, da sie Angst haben die Kunden so zu vertreiben. Im Gegenzug preisen andere an, wie fair sie doch sind, wenn man dann allerdings über ihre Nachhaltigkeit im Internet nachliest, dann stellt man fest, dass vieles davon nur Ziele sind und die recycelte Baumwolle nur einen kleinen Anteil des T-Shirts ausmacht.

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Fair Ootd

Durch all das musste ich mich während der letzten Monate durchkämpfen. Meine Shopping-Trips waren regelmäßig mit Enttäuschungen verbunden. Überall wurden im Internet die tollen Labels angepriesen, doch wusste ich einfach nicht, wie ich an diese Klamotten rankommen sollte. (Vieles konnte man auch nur im Internet aus dem Ausland bestellen, sodass die Versandkosten und der Zoll die eigentlichen Preise verdoppelten.) Ich kann also sehr gut verstehen, wenn viele davon abgeschreckt werden und ihnen das zu viel Arbeit ist. Es ist nun mal nicht jedermanns Sache stundenlang das Internet und Hamburg nach Fair Trade Shops zu durchforsten. Das müsst ihr nun auch gar nicht, denn ich habe eine Liste zusammengestellt mit Adressen, bei denen man auch als ganz normale Fashionista vorbeischauen kann. Unterteilt ist das ganze in Fair Trade Labels, Läden von Hamburgern, die direkt vor Ort individuelle Schätze nähen und ein paar Second Hand Läden, in denen man nach Lust und Laune Designermode und andere Lieblingsteile kaufen kann, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Wenn man nämlich Second Hand kauft, so ist das vergleichbar mit den Destruenten  in den Nahrungskreisläufen, die man in Bio behandelt. Die Industrie wäre dann also der Produzent oder eben die Pflanze, von welcher der Konsument sich ernährt und somit diese Art der Produktion unterstützt. Als Destruent verwertet man die „Abfallprodukte“ – also die Klamotten, die ein anderer nicht mehr tragen möchte – und kann sich darüber freuen, dass andere so schöne Klamotten nicht mehr haben wollten. Zwar recycelt man so nicht die Klamotten zu Rohstoffen für die Industrie, wie es in einem Kreislauf der Fall wäre, aber man sorgt dafür, dass weniger produziert werden muss, die Nachfrage verringert und entlastet die Firmen so. Sie erhalten mehr Zeit, um sich Gedanken über ihre Produktion zu machen und können auf nachhaltigere Methoden umschwenken.

Also lange Rede kurzer Sinn: Hier sind meine Tipps und Adressen für Hamburg, in denen ein Besuch sich wirklich lohnt.

 

Fair Trade Labels Hamburg:

1. Glore – be green in any color you like

Mein absoluter Lieblingsladen, in dem ihr perfekt nachhaltige Jeans und Basics kaufen könnt, aber auch coole Sonnenbrillen, Socken und Bikinis. Der Laden ist sehr gut sortiert und bietet sowohl sehr preiswerte und gleichzeitig hochwertige Grundausstattung, als auch ein paar wirklich coole It-Pieces an, die dann aber leider etwas teurer sind. Glore ist also perfekt für den Anfang, allerdings sollte man die Klamotten unbedingt anprobieren, da manche Teile leider etwas kastig geschnitten sind. (Marktstraße 31, 20357 Hamburg)

2.  Closed – lässiger Streetstyle produziert in italienischen Familienbetrieben

Obwohl ich Closed natürlich seit Ewigkeiten kenne, weiß ich erst seit kurzem, dass diese Firma auch unter fairen Bedingungen produziert. Sie sind zwar keine Fair Trade Marke in dem Sinne, dass sie auch nur mit Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester produzieren, allerdings stand bei mir von Anfang an die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher an oberster Stelle. Dies ist natürlich ein etwas teurerer Laden, weshalb ich euch die Lagerverkäufe, die zwei mal im Jahr stattfinden nur wärmstens empfehlen kann. (Bergstraße 11, 20095 Hamburg; Eppendorfer Baum 13, 20354 Hamburg)

3. Bei Urban Outfitters – Die Marke Urban Renewal Vintage

Bei dieser Eigenmarke von Urban Outfitters werden die gesammelten Vintage Teile, wie zum Beispiel die abgeschnittenen Levis-Jeans nur aufbereitet und kommen somit dem Second Hand Kauf sehr nahe. Allerdings tut man so eher etwas gegen die Ungerechtigkeit bei der Rohstoff-Gewinnung und für den Schutz der Ressourcen, als für die Arbeitsbedingungen der Näherinnen. (Gänsemarkt 45, 20354 Hamburg)

4. Edited – Edited the Label

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EDITED the Store

Direkt an der Haltestelle Sternschanze hat der Online-Shop seinen ersten Store eröffnet, in dem es unter anderem die Eigenmarke Edited the Label zu kaufen gibt. Zum ersten Mal aufmerksam auf diese Marke wurde ich, als ich einen Designmarkt für nachhaltige Produkte besuchte. Dort war ebenfalls ein Stand von Edited aufgebaut, weshalb ich nachfragte, was denn an ihren Klamotten nachhaltig sei. Die Antwort: All die Klamotten werden ausschließlich in Europa gefertigt.

 

Support your Locals:

1. Elternhaus – freche Sprüche produziert in Hamburg

In diesem Fall ist die Nummer 1 auch wirklich meine Nummer 1. Direkt neben Glore gelegen befindet sich der wunderschöne Laden, in dem ich meinen selbstgenähten Pulli mit dem Spruch „Ein Schiff liegt sicher im Hafen, aber dafür wurde es nicht gebaut.“ gekauft habe. Seitdem habe ich mich in die Designs von den im Hinterzimmer produzierten Teilen verliebt. (Marktstraße 29, 20357 Hamburg)

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Spotted: Myself in front of Elternhaus

2. Kleine Freiheit 1 – Elternhaus‘ Freundin in St. Pauli

Irgendwann nahm ich einmal meinen gesamten Mut zusammen und fragte die Verkäuferin in Elternhaus, ob es noch weitere Locals gäbe, die sie mir empfehlen könne, weil sie die Klamotten ebenfalls selber produzierten und ein ähnliches Design hatten. Die erste Empfehlung war der gleichnamige Laden in der kleinen Freiheit 1, mit denen Elternhaus gelegentlich sogar Stoffe zusammen produzieren ließ. (Kleine Freiheit 1, 22767 Hamburg)

3. Mmies Shop – support your Girlgang

Zwar ist dieser Laden wirklich extrem klein mit eher minimaoistischem Angebot, aber das „Girlgang“- Shirt ist echt ein wunderschönes Basic, das durchaus das Potenzial besitzt zum neuen Lieblingshirt aufzusteigen.

 

Second Hand is my first choice:

1. Secondella – Designer Mode als Second Hand

Du träumst von erschwinglicher Designermode, bei der du keine Bauchschmerzen wegen der Nachhaltigkeit haben musst? Dann bist du bei Secondella in der Innenstadt im Paradies gelandet. Denn hier findet man nicht nur Designer-Taschen, sondern auch wunderschöne Jeans von Closed, Cardigans aus Kaschmir die so weich sind, dass man denkt man wäre in flauschige Wolken gehüllt und einzigartige Vintage-Teile. Muss ich noch mehr dazu sagen? Vielleicht die Adresse? (Hohe Bleichen 5, 20354 Hamburg)

2. PICKnWEIGHT – Vintage Kilo Store

Die Schanze liefert hingegen das Kontrastprogramm zu den feinen Klamotten bei Secondella, denn hier werden vor allem die Grunge-Liebhaber und Tumblr-Girls fündig, wenn sie zwischen den verschiedensten Destroyed-Jeans und Flanell-Hemden stöbern, um dann an der Kasse den Kilo-Preis zu bezahlen. (Beim Grünen Jäger 16, 20359 Hamburg)

3. Second Schanze – Gut Sortierter Second Hand

Ebenfalls besuchenswert in der Schanze ist eben Second Schanze, welcher ebenfalls gegenüber von einem Fair Trade Laden gelegen ist, den ich persönlich eher unspektakulär fand (allerdings habe ich auch gerade keine Basic-Shirts oder Hosen gesucht). Dieser Laden ist zwar eher überschaubar, dafür aber sehr ordentlich, sodass man nicht so schnell orientierungslos wird – unfähig zu entscheiden. Sie haben auch eine gute Schuhauswahl. (Weidenallee 54, 20357 Hamburg)

4. Hot Dogs – Taschen aus recycelten Turnmatten

Hot Dogs ist ein weiterer der vielen Second Hand Läden in der Marktstraße, die mir allerdings etwas zu Vintage waren, da ich eben kein Hipster bin. Dafür gibt es in diesen Läden nicht nur zahlreiche originale Sneaker von vor dreißig Jahren, die noch ungetragen und dementsprechend teuer sind. Der Grund, weshalb ich einen Besuch im Hot Dogs empfehle, ist allerdings ein anderer. Nämlich bietet dieser Laden die wunderschönen Taschen aus recycelten Turnmatten an, deren Design wirklich cool ist.

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Secondella – Paradies für Designermode

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