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Poetry Slam im Übel und Gefährlich

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Wie nutzt man das mündliche Abitur sinnvoll? Schließlich bringen diese zwei schulfreien Tage all die wissbegierigen Schülerchen vollkommen aus dem Konzept. Und vor kurzem wurde sogar beobachtet, dass die Wissbegierigen aus Frust von der Unterforderung Spaß hatten. Damit etwas Derartiges nicht mit ihrem Kind geschieht, haben ich eine ganz einfache Lösung für sie. Um den kleinen die Dichtkunst, gesellschaftskritische Gedanken, Satire und schwarzen Humor etwas näher zu bringen schicken sie es in den Bunker des Übel und Gefährlich! Was nein, so ein Poetry Slam ist wirklich nicht gefährlich, auch wenn dort Mädchen wie ich mit blauen Augen herumlaufen. Aber keine Sorge meine Verletzung kommt ganz sicher von keinem Schläger, sondern von einem Ball. Das einzige, was nämlich etwas gefährlich sein könnte wäre Hockey als Sport.

Dennoch waren Patti und ich ziemlich aufgeregt, während wir um 19 Uhr zu Beginn des Einlasses vor dem riesigen Bunker standen und mit schwitzigen Händen unsere Eintrittskarten umklammerten. Denn diese Art von Wettkampf war für beide von uns Neuland, als wir in der Schlange für das „U20 Poetry Slam Finale“ standen. Zum Glück, denn sonst wären wir wohl kaum auf die Idee gekommen bereits so früh zur Location zu pilgern, aber so konnten wir Plätze in der dritten Reihe ergattern und mussten nicht wie der Großteil am Ende sich auf der Tanzfläche mit einem Stehplatz begnügen.

Während wir dort also Fritz Kola trinkend warteten, erkläre ich euch nun einmal wie so ein Poetry Slam funktioniert. An jenem Abend fand das Highlight einer Poetry Slam Saison aus und somit gab es statt fünf Richtern gleich sieben freiwillige Zuschauer aus dem Publikum, die mit den Wertetafeln von 1.0 bis 10.0 ausgestattet wurden. Nach jedem Poeten, der fünf bis sechs Minuten Zeit hat für seinen auftritt,  konnte das Publikum natürlich mit der Lautstärke ihres Applauses dem Künstler auf der Bühne ihre Begeisterung zeigen, aber für die Punktwertung waren dann die Richter entscheidend. Hierbei wird allerdings jeweils der beste als auch der schlechteste Wert gestrichen, falls jemand voreingenommen sein sollte. Und so würde der Wettkampf in Dreiergruppen ablaufen, aus welcher jeweils ein Finalist hervorgehen sollte.

Doch ehe ich euch nun noch länger mit dem näheren Ablauf langweile, möchte ich euch nun von den eigentlichen Geschehnissen des Abends berichten, denn diese Poeten waren wirklich spektakulär. Ich war passend zum Thema der Grenzen der Sprache nach dem ersten Gedicht sprachlos. Doch das war erst der Anfang, denn eigentlich wurden die Dichter immer besser. Aus der ersten Runde ging dann der erste Junge mit einem Gedicht mit dem Titel „Perversion über ihr Gemüse 2“ als erster Finalist hervor, wobei er das Veganer-Herz von meiner lieben Patti neben mir hatte höher schlagen lassen mit seiner Kritik über den Überkonsum. Und ehe wir uns versahen wurden wir von einer Welle der Begeisterung mitgerissen, hingen wie gebannt an den Lippen jedes Einzelnen, weinten vor lauter Lachen und wollten am liebsten weinen so berührt hatte uns die eine oder andere Wahrheit. Obwohl jeder dieser Auftritte nur fünf bis sechs Minuten Zeit ließ, in der der Poet seine Nachricht in die Welt hinaus schreien durfte, so kam es mir jedes mal vor wie eine Ewigkeit, die ich gefangen in einer anderen Welt – in ihrer Welt – verbrachte. Poetry Slam ist, wie ich finde, ein Seelenstripties vom feinsten und das braucht unheimlich viel Mut.

Was es wohl über die Menschen aussagt, wenn sie nach ihrem Matheabitur Gedichte über „Professor Sparrow und seine wunderbare Suche nach dem X“ schrieben und uns damit Bauchschmerzen vor Lachen bereiteten? Nun zum einen, dass sie ihr Abitur wohl mit drei Punkten bestanden haben, denn Pi mal Daumen ist nun wirklich keine mathematische Größe und zum anderem, dass sie ein gewaltige Portion Humor haben. Der Gewinner des Abends begeisterte uns allerdings mit einem Mit-Mach-Text, in dem er immer wieder eine Antwort auf seinen Satz „Hallo ich bin (…) und ich habe ein Problem.“ einforderte. Halb vorgetragen und halb gerapt machte er jedem von uns ein für alle mal Klar: Menschen können zwar Probleme haben, aber nie ein Problem sein. Das gibt bei mir 10.0 Punkte für diese Botschaft!

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