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Lieblingsgut – frischer Wind auf der Designmesse

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„Ach Lara, du brauchst keine Stadtführung machen. Ich war ja schon mal in Hamburg! Zeig mir doch sonst einfach die Insider und deine Lieblingsecken und dann gehen wir das ganz entspannt an!“, antwortete Miron auf meine Frage, was er denn in Hamburg  machen wolle. Insider also. Lieblingsecken. Augenblicklich begann es in meinem Kopf zu rattern. Was könnte ich mit ihm machen (außer Schoppen – das geht ja bekanntlich immer), was ihn nicht langweilen würde? Natürlich sollte es etwas besonderes sein, aber auch nicht zu übertrieben. Ich wollte ihm etwas von Hamburg zeigen, aber nicht den Touristenführer machen. Und ehe ich mich versah, befand ich mich mitten in einem Schlachtfeld, auf dem sich meine Ideen und Ansprüche niedermetzelten.

So saß ich auf meinem Schreibtischstuhl, drehte vor mich hin und stellte schließlich frustriert fest, dass ich immer noch nicht weiter gekommen war als am Anfang. Und während ich dort in Gedanken versunken war, begann ich an einem Aufkleber, der auf meinem Schreibtisch herumflog herum zu basteln. Schließlich senkte ich meinen Kopf und mir viel es wie Schuppen von den Augen: Das war der Sticker von der App „Heute in Hamburg“! Eine Chance konnte man ihren Vorschlägen ja geben oder? In diesem Fall schon, denn ohne sie hätte ich nie von dem Fair Trade Designmarkt „Lieblingsgut“, welcher in der romantischen Atmosphäre des Hamburger Hafenmuseums stattfinden würde erfunden. Mein Slow-Fashion-Herz schlug mir höher und meine Begeisterung war entbrannt. Es führte kein Weg daran vorbei, dass Miron da durchmüsste. Wer sagt denn, dass das Hafenmuseum keines meiner Lieblingsecken ist?

Nun offensichtlich war es das nicht, denn den Weg von der S-Bahn Station Vettel bis zum Museum hätten wir wohl ohne die zahlreichen Schilder wohl nicht gefunden. Hier bemerkte mein Begleiter ganz nüchtern: „Also entweder hatten die Veranstalter viel zu viel Zeit, oder einfach viel Geld, um jemanden zu bezahlen, der all diese Zettel aufhängt! Ich hätte da ja die Krise bekommen.“ Egal, welche Antwort die richtige ist, ich bin dem Veranstalter dankbar, denn sonst hätte ich ihn noch was weiß ich wohin geführt als kompetente Reiseführerin, wie ich es nicht bin.
Und auch auf der Messe selber hatte Miron allerhand Anmerkungen und stellte so einige Verkaufskonzepte in Frage, auch wenn ihm das Getränk „Kopfnuss“ sogar noch besser als Fritz-Kola geschmeckt hatte. Unser kleiner Philosoph teilte die Verkaufsstände in drei Klassen:

  1. IMG_5985Es gibt diejenigen, die Jutebeutel verkaufen.
  2. Dann gibt es Menschen, die Second-Hand T-shirts bemalen und dafür fünfzig Euro verlangen.
  3. Und an den restlichen Ständen kann man aus Holzresten recycelte Holzbretter kaufen.

Letztere hatten es ihm sichtlich angetan, bis er sich über den Preis wunderte, da es ja aus seiner Sicht nur Müll ist. Aber so schöner Müll, kann ich dazu nur sagen. Außerdem rettet man diese Reststücke so vor dem Abfall und trägt durch Recycling zur Schonung der Ressourcen bei. „Du willst also sagen, dass man hier statt für Marken zu zahlen für das Fair Trade und die Idee zahlt?“, wollte er dann wissen. Ja, das war doch einleuchtend oder nicht? „Kann er das Recycelte denn dann nicht günstig verkaufen? Er hat doch quasi keine Materialkosten!“, murrte mein lieber Begleiter nur.

Nun irgendwo hatte er schon Recht. Denn oft werden auf solchen Messen Dinge verkauft, die auch problemlos und einfach selbst hergestellt werden können. Man benötigt nur die richtigen Ideen. Und genau dafür ist eine solche Messe der ideale Ort, um Inspiration zu sammeln und anschießend Dinge zu erschaffen, die nicht nur einzigartig sind, sondern bei denen man sich zu hundert Prozent sicher sein kann, dass sie unter fairen Umständen produziert wurden. Manchmal bringt ein durch die eigene Unerfahrenheit objektiver Betrachter eben ganz neuen frischen Wind, in die eigenen Ideen, was man vorher nie erwartet hätte. Ich werde wohl in nächster Zeit das Atelier im Keller aufräumen müssen. Das kann ja heiter werden. aber bis dahin freue ich mich einfach über meinen wunderschönen Jutebeutel aus recyceltem Kork, denn so etwas kann ich garantiert nicht selber machen.

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