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Flash back – Die Nutella Diskussion

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Dort lagen wir nun bei den Cayos Holandés im Gebiet der Kuna Indianer. Um uns herum schillerte das türkisblaue Wasser, während Amelie mit zitternden Händen ihr Referat begann. Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern gewesen, wie aufgeregt sie war. Doch die Sonne wollte einfach nicht aufhören zu scheinen und bei dieser Kulisse konnte das Referat über die indigene Bevölkerung Panamas doch gar nicht anders, als gut werden oder? Die Wahrheit ist, dass es nicht einfach nur gut war. Es ging tief unter die Haut. Amelie hielt zum Einstieg einfach nur ein Nutella-Glas hoch und stellte uns eine Frage. „Was hat dieses Nutella-Glas mit der indigenen Bevölkerung Panamas zu tun?“

Auf meiner Reise habe ich eben diese indigene Bevölkerung hautnah erlebt. Wie traurig war der Abschied von den kleinen Mädchen, die wir einen ganzen Tag auf unseren Schultern herum getragen haben und mit denen wir uns auch ohne Worte verstanden? Und wie bedrückt haben wir gesehen, wie verdreckt diese paradiesischen Inseln doch waren? Verdreckt von dem Müll einer für die Einwohner fernen Zivilisation? Was für ein Erlebnis war es für uns gewesen, als wir mit den Nasu-Frauen Fußball spielten? Umso schockierender war die Nachricht für uns, dass wir jeden Sonntag den Lebensraum unserer neuen Freunde indirekt zerstörten. Denn jeden Sonntag Morgen war eine Sache anders als sonst. Zur Feier des Tages gab es Nutella zum Frühstück. Und als wir uns jeden Sonntag auf diesen besonderen Leckerbissen stürzten, war uns nie in den Sinn gekommen, was für Auswirkungen der Inhaltsstoff Palmöl auf die Umwelt haben mochte. Denn dieses Öl, welches in über der Hälfte der deutschen Lebensmittel enthalten ist, ist nicht nur besonders preiswert, sondern die Palmen brauchen auch ein ganz besonderes Klima und Boden zum wachsen. Eben diese Grundlagen, die auch der tropische Regenwald benötigt. Die Heimat der indigenen Bevölkerung Panamas wird für die riesigen Palmölplantagen schlichtweg abgebrannt. Tschüss Artenvielfalt! Tschüss CO2-Speicher! Hallo Monokultur und Pestizide!

Das lag zumindest mir noch schwerer im Magen, als die zahlreichen Kalorien der Haselnusscreme. Und so begannen wir zu diskutieren. Wäre es nicht eine Möglichkeit, als Projekt dieses Special am Sonntag abzuschaffen? Es wird diskutiert. Abgestimmt. Die Abstimmung war eindeutig dafür, doch die paar Gegner meinten, dass sei dasselbe wir bei Vegetariern und man könne so etwas niemanden verbieten. Es wurde gestritten. Sich nicht geeinigt. Eine lang andauernde Diskussion geschaffen, die uns durch gesamt Panama begleiten und uns auch auf den Azoren noch einholen sollte, als Pedro – der Whale Watcher – auf seine „Mars-Sucht“ zu sprechen kam und, dass er nun dennoch zu Gunsten des Regenwaldes darauf verzichtete.

Ich habe seitdem auf jeden Fall kein bisschen Nutella mehr gegessen und stattdessen haben meine Eltern, die davon zuhause erfahren haben, drei Monate nach einem Ersatz gesucht. Und gefunden. Die leckere Schokocrème von Grashoff :)

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  1. Danke für den Tip, Lara & vor allem Danke für die vielen tollen Berichte die mir, und bestimmt ganz vielen anderen über die kalten & nassen Monate geholfen haben, und auch den ein oder anderen Denkanstoß gegeben haben. Bis bald mal wieder, beim TTK.

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