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Ein freier Tag à la KUSis

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Ein freier Tag. Keine Programmpunkte. Kein Reinschiff. Keine Verpflichtungen. Nach fünf Monaten mit dem 24/7 Programm erschien uns das erstmals dezent überfordernd. Was soll man denn mit so viel Freizeit anstellen?

Wir dachten uns gute Frage, nächste Frage, schmissen die Reiseführer in die Ecke und beschlossen zunächst zum Supermarkt zu laufen. Wir, das waren Emilia unser Geburtstagskind, Alena, Marie, Sophie und ich. Eben dieser Supermarktbesuch sorgte für den ersten Freudentanz des Tages, auf welchen noch etliche folgen würden. Wahrscheinlich wirkte unsere Reaktion auf die vollgestopften Regale ziemlich verstörend. Aber um uns zu rechtfertigen muss man bedenken, dass wir seit Teneriffa in keinem normalen Supermarkt mehr waren, in dem es frisches Obst, Käse aus Käse und Cornflakes, die günstiger als 20€ waren, gab. Und während wir in den Laden stürmten, einen Geburtstagskuchen und Belag für die frischen Brötchen kauften, reifte die Idee in unserem Kopf heran. Wie schön wäre es einfach zu einem Strand zu trampen, um dort auf unseren Öljacken sitzend zu picknicken? Gedacht, getan. Nach einem weiteren Anfall des Staunens, als wir entdeckten, dass es neue 20€-Scheine gibt, begaben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Pickup. Also sprachen wir auf dem Parkplatz den nächstbesten Autofahrer an. Alena packte ihre gesamten Portugiesisch-Kenntnisse aus, indem sie zaghaft „Ola, onde fica o playa?“ fragte und dabei mit unserer Karte vor seinem Gesicht rumfuchtelte. Irgendwie schien er dennoch verstanden zu haben, was wir eigentlich von ihm wollten, weshalb er schnell den Krams von seiner Rückbank in den Kofferraum pfefferte und uns einlud mitzukommen. Verblüfft über unser Glück stiegen wir ein und es störte auch nicht, dass wir uns zu viert hinten etwas quetschen mussten. Als er uns dann auch noch eröffnete, dass er einen viel besseren Ort kannte und mit uns zu einem Aussichtspunkt auf einem Hügel fuhr, konnten wir nicht anders als vor Freude zu quietschen. Wahrscheinlich war er Pfadfinder, denn er fuhr für uns nicht nur Umwege, sondern nahm sich auch noch die Zeit uns eine perfekte Wanderroute rauszusuchen und anschließend bei der ersten Kreuzung zu warten, um sicherzustellen, dass wir auch richtig abbogen.

Ich würde jede Wette eingehen, dass er normalerweise Guide ist, den man nicht wie wir nur mit Ferero Rocher bezahlt. Die Route war nämlich der absolute Wahnsinn. Von dem Hügel stapften wir an Kuhwiesen vorbei den Hang hinab, um zu einem Vulkan wie aus der Volvic-Werbung zu gelangen und diesen zu besteigen. Dort am Kraterrand wurde dann aber erstmal das langersehnte Picknick abgehalten. Es musste ja auch noch auf Emilias Geburtstag angestoßen werden. Dieses Picknick hat wahrscheinlich genauso lange gedauert wie die Wanderung, so sehr hatten wir uns in unserem Anflug von Euphorie verkalkuliert. Deshalb wurde der Kuchen auch in der folgenden Nacht um halb vier zu Ende vertilgt nach einem langen Tanzabend mit der Regina Maris.

Nach einem kleinen Verdauungspäuschen (okay es war nicht wirklich ein kleines Päuschen) machten wir uns auf zum Leuchtturm am anderem Ende der Insel und den nahezu majestätischen schwarzen Sanddünen. Vielleicht waren es auch Klippen. Jedenfalls sah es aus wie eine Mondlandschaft. Und auf jeden Fall war es nicht die beste Idee die Dünen barfuß hochzulaufen, denn wie sich relativ schnell herausgestellt hat, habe ich extrem empfindliche Füße. Dennoch, für diese Aussicht hat sich all die Quälerei gelohnt.

Nun mussten wir allmählich den Rückweg antreten. Vielleicht lag es daran, dass unsere Gruppe zum Großteil nur aus Blondinen bestand, aber als wir immer weiter in die Pampa fuhren, ist uns nicht in den Sinn gekommen, dass man von dort eher schlecht wieder weg trampen konnte. Also begannen wir die Landstraße entlang zu gehen. Wir liefen einen Kilometer und erreichten das erste Dorf. Wir liefen zwei Kilometer und wurden von dem ersten Auto angehupt. Wir liefen drei Kilometer und fanden einen Brunnen. Wir liefen fünf Kilometer und wurden von einem Trecker überholt. Wir liefen sechs Kilometer und versuchten in unserer Verzweiflung einen Touristen-Bus anzuhalten. Doch als wir gefühlt über die halbe Insel gewandert waren, hielt der Typ mit der kleinsten roten Rostlaube und nahm uns mit nach Horta, nachdem uns riesige Pickups signalisiert hatten, dass sie keinen Platz für uns hatten. Merke: Die großzügigsten Menschen haben oft die kleinsten Autos oder sind Pfadfinder! Aber wir erreichten Horta noch pünktlich zum Abendessen, um Emilias Himbeermuffins hinunter zu zwängen.

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