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Unterwegs in Viñales

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Der Regen prasselte auf den nassen Asphalt, während ich den Hügel hoch strampelte. Auf meinen Armen begannen sich langsam meine Haare aufzustellen und ich wünschte mir meine Regenjacke aus den Tiefen meines Trekkingrucksacks herbei. Ein komisches Qietschgeräusch riss mich aus meinen Gedanken. Das war dann wohl Fahrrad Nummer 2, das ich geschrottet habe. Denn als ich an meinem Hinterrad hinuntersah, stellte ich fest , dass ich einen Platten hatte. Das erklärte auch warum ich so außer Atem war. Also nun: „Kommando Stoooop!“ Langsam kam die Fahrradkolonne hinter mir zum stehen. Als ich der Tagesprojektleitung mein Problem eröffnete, wollte diese mich natürlich zunächst in den Bus schicken, allerdings nur bis sie realisierte, dass der Bus ja Bananen kaufen war.Und so standen wir da. Inmitten von einem Tal, das gesäumt von den eindrucksvollen Mogotes war. Nahezu majestätisch ragten diese über der kleinen Stadt Viñales hervor, deren bunte Kolonialhäuser hinter uns am Fuße des Hügels lagen. Sie war umgeben von Äckern, auf denen Ochsen im Regen arbeiteten, und kleinen Häusern aus Tabbakblättern. Dort wollten wir hin. In die unberührte Provinz, zu den kubanischen Tabbakbauern, in die Natur. Deshalb blieben wir auch nicht in dem von Touristen und Aussteigern überlaufenen Städtchen, um es uns in einem Casa Particular gemütlich zu machen, sondern führen zu einem Campismo für Kubaner.

Beziehungsweise dort wollten wir hinfahren, aber im Moment bewegte sich gar nichts. Zum Glück bot Jonas sich dann an, mich auf dem Gepäckträger mitzunehmen. Und so klammerte ich mich an ihn und freute mich wie Bolle über jeden Berg, den ich nicht hoch strampeln musste. Außerdem war er ein hervorragender Regenschutz. Da hatte es sich doch wirklich gelohnt, dass ich ihm meine Pesopizza überlassen habe. Und so schlitterten wir natürlich ganz sicher (Schließlich ist der Liebe Jonas unser Sicherheitsbeauftragter :) ) um die Kurven und ich bremste mit meinen Füßen. Und während Jonas nach fünf Minuten klitschnass war, genoss ich hinter ihm seinen Wind- und Regenschatten. Nur die Schlaglöcher machten die Fahrt durch die Mogotes unbequem, denn längst waren wir von der Hauptstraße abgebogen und schlängelten uns durch die Felder. Das einzige touristische war eine bemalte Felswand, die die Geschichte Kubas wiederspiegeln sollte. Allerdings war es ein Bild voller Dinosaurier, was uns dezent verwundert hat.

Als wir dann um die Kurve ins Campismo schlitterten fühlte ich mich seltsamerweise wie zuhause. Der graue Himmel sah fast so aus wie in Hamburg und auch der Geruch, der in der Luft hing, kam mir bekannt vor. Und dennoch war etwas Entscheidendes anders. Während in Hamburg jeder über das Schietwetter fluchen würde, genossen hier die Cubaner ihren Urlaub am Pool.

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