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Kunterbuntes Einklarieren in Kuba 

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Die erste Veränderung, die ich bemerkte als wir uns Kuba näherten, war der Himmel. Solch einen Sonnenaufgang habe ich selten gesehen. Da wäre jeder Romantiker auf seine Kosten gekommen. Aber ich bin nun mal auf der Thor, weshalb ich die Zeit zum Staunen damit verbrachte Segel zu packen. So viel dazu. Gestern betrat ich dann endlich die Insel meiner Träume. Und in dem Moment fühlte ich mich wie Chuck Norris, denn mit einem Schiff in Kuba einzulaufen ist alles andere als einfach. Und die letzte Etappe auf See erinnerte eher an Nordsee als an die karibische See. Deshalb verbrachte ich die erste Hälfte der Woche an Deck, da es unter Deck die Hölle war. Immer dieses verdammte Schaukeln. Nur am ersten Tag war mir das nicht möglich. Da hielt mich nämlich die Backschaft in der Kombüse, was zur Folge hatte, dass ich alle 5 Minuten panisch zum Bulleye stürmte um den Horizont anzubeten. Kurz gesagt das Bulleye wurde zu meinem besten Freund, weshalb ich es Sören taufte.

Aber eigentlich wollte ich eine ganz andere Geschichte erzählen. Der Horror nennt sich Hygeneprüfung Kuba. Bereits zu Beginn der Reise würden uns die wildesten Geschichten aufgetischt. Von Drogenhunden, Männern mit Maschinengewehren aber das schlimmste eine Horde Ärzte, die jeden Winkel des Schiffes auseinander nahmen und sich darüber aufregten, dass man den Deckel von Mülleimern per Hand öffnet. Die Skala verläuft in etwa so: Reinschiff, Großreinschiff, Hafenfein machen, Detlef ist am Ende mit den Nerven und wir machen Frustputzen, Weihnachtsputzen für ein perfektes Fest und zu guter letzt Hygeneprüfung Kuba. Also hieß es sobald wir halbwegs auf den Beinen waren putzen, schrubben, polieren, fegen, kratzen, saugen und wischen. Als wir dann endlich erlöst von unserem Biotest waren, wurde dem Ganzem noch die Krone aufgesetzt: Nachtputzen. Nachdem wir die Woche durch schon alle Bilgen in der Last ausgeräumt und gewischt hatten, wurde ich in das Kombüsenteam befördert. Dort verbrachte ich zwei Stunden damit einen Unterschrank von Rost mit dem Obstmesser zu befreien. Aber das ist noch gar kein Vergleich zu Klein-Lena, die fünf Stunden in unserem geliebten Ofen verbrachte. 

Irgendwie würde ich an diesem denkwürdigen Tag ständig befördert. Von einer normalen Putzkraft zur Kämpferin gegen den Rost zur Sonderbackschaft und schließlich zur Fahrwache. Dementsprechend müde war ich auch am nächsten morgen als es dann so weit war und die Kubaner unser Schiff enterten. Wobei enterten eigentlich nicht stimmt. Viel mehr flanierten sie in aller Seelenruhe auf das Schiff und sahen sich beiläufig durch Ihre dicken Sonnenbrillen, die so gar nicht zu dem Bild des sozialistischen Kubas passten, das Schiff. Die allseits gefürchtete Hygeneprüfung dauerte sage und schreibe fünf Minuten, wobei selbst Detlef gründlicher überprüft. Anschließend machte sie mit ihren Compañeros am Ruder unseres Schiffes ein paar Selfies und das war es. Dementsprechend fertig war auch Marta, die zusammen mit Fidi unser anderen Proviantmeisterin, alles was mit Essen zu tun hat auseinander nehmen musste. Sie war wirklich kurz davor die Ärztin dazu zu nötigen, dass sie doch bitte mit der Zunge jeden einzelnen Türrahmen auf Sauberkeit zu überprüfen. Der Fakt, das ich gerade in einem Bett in Kuba liegt, zeigt, dass wir sie davon abgehalten haben. 

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