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Ist halt Santiago …

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Wie lange hatte ich auf diese Zeit hin gefiebert? Schon vor der Reise wollte ich meinen English Report unbedingt über die Kleingruppenexkursionen schreiben, um von dem größten Abenteuer zu berichten. Und als wir dann erst die Gruppen eingeteilt hatten und wussten, dass wir nach Santiago fahren würde, begann es mir ständig unter den Fingern zu jucken. Ständig musste ich durch die Reiseführer blättern, denn ich hatte das Gefühl, dass ich gar nicht genug über diese aufregende Stadt lesen konnte. Ich träumte von afro-kubanischer Kultur und sehnte mich in die Stadt der Kunst und der Musik. Das hätte ich wohl lieber bleiben lassen sollen. Bereits der Einstieg in unser Abenteuer begann anders als geplant. Lena hatte sich nämlich in Havanna den Magen verdorben, was die sechzehnstündige Busfahrt eher ungemütlich für sie machte. Zum Glück hatten wir aber mitgedacht und Massenweise Papaya und Klopapier mitgebracht. So überstanden wir diese Stunden in mehr oder weniger angenehmen Schlaf.

Sobald wir aus dem Bus stiegen, wurden wir mit den Rufen bombardiert: „Taxi, Taxi, Taxi …“ In dem Fall kam uns das sogar gelegen, da wir mit der Kranken Lena schnellstmöglich zur Casa gelangen mussten. Also ließen wir uns von einem Kubaner zu sechst in sein Bici-Taxi quetschen. Wie er das geschafft hat ist mir bis heute schleierhaft. Jedenfalls hockten wir mit unseren Trekkingrucksäcken auf der Rückbank, während und klar wurde, dass in Santiago alles ein bisschen anders läuft. Es schien fase als wären nicht wir die Touristen, sondern viel mehr die Attraktion der Stadt. Zwischenzeitlich hatten wir echt Angst, die Ursache für einen Verkehrsunfall zu sein, weil die Kubaner vor lauter „I Love You“ Rufen vergaßen auf die Straße zu schauen. Dabei liefen wir alle in unseren Schlabberhosen und Kuschelpullis herum. Deshalb war unser lieber Thomas glaube ich ziemlich froh, als wir bei unserer Casa-Mami in Sicherheit waren. Schließlich waren wir geradewegs in das Knusperhäuschen unserer Hexe gestolpert. Wobei wir das erst am nächsten Tag realisierten.

Da lagen nämlich alle flach außer Uri und mir, weshalb wir mal eben zum Proviantmeister und Finanzmanager befördert wurden. Den ganzen Vormittag liefen wir durch Santiago, um 24 Brötchen und 12 Kekse für umgerechnet einen Euro zu kaufen. Außerdem schoppten wir den Bauernmarkt leer, denn nachdem Uri und ich sowohl das Karnevalsmuseum, als auch das Rummuseum alleine besucht hatten, wollten wir für unsere Kranken Zuhause kochen. Nur die Hexe hatte da andere Pläne. Sie beschwor uns nämlich mit folgendem Zauberspruch: „Mire Thomas, no tengo sal!“ Ah ja. Die gute Frau hat also kein Salz. Die Frage ist nur, womit wir dann am Morgen unser Rührei gewürzt haben.

Nun möchte ich euch einen Reisetipp für Santiago geben. Die besten Ausflüge macht man außerhalb der Stadt. Zum Beispiel war das Castillo del Morro (mittelalterliche Ritterburg am Meer) ein wirkliches Highlight, auch wenn es in der eigentlichen Funktion versagt hat. Die Festung wurde nämlich gebaut, um die Stadt vor Piraten zu schützen. So weit die Theorie, nur leider verwüstete Mings dennoch die Stadt, da die Wachen geschlafen haben. Diese Geschichte spiegelt eigentlich ganz gut unsere restlichen Ausflüge wieder. An jenem Abend sind wir zum Beispiel and andere Ende der Stadt gelaufen, um ins Carbaret zu gehen, das allerdings zur Zeit keine Tänzerinnen mehr hat. Auch ein typisches Baseball-Spiel konnten wir nicht ansehen, da die Mannschaft bereits ausgeschieden war. Von den sämtlichen Museen, die zu den merkwürdigsten Zeiten geschlossen waren, möchte ich gar nicht erst anfangen. Nicht einmal der Gottesdienst in der großen Kathedrale funktionierte zur Zeit, da in der Kirche momentan ein äußerst verstörender Film über die Geschichte der Bibel gezeigt wurde. Der tippte sogar unsere Sicherheitsfilme mit Biggy Berthram, die uns erklärt wie Rettungswesten funktionieren.

Irgendwann wurde und das alles zu viel, weshalb wir auf die Idee mit dem Roadtrip zurück kamen. Und als unsere Hexe und dann auch noch eröffnete, dass sie am Sonntag kein Wasser mehr hätte und wir deshalb umziehen müssten, nutzten wir die Chance und flohen nach Siboney. Das kleine Örtchen, das unter einer Klippe am Meer gelegen war, war die perfekte Auszeit aus dem stinkenden und lärmenden Santiago-Smog. Der Strand war zwar nicht der weißende und die nächsten Sehenswürdigkeiten waren auch weiter entfernt, aber dafür fühlten wir uns in dem Casa von der ersten Minute an zuhause. Die Familie nahm uns superherzlich auf und bekochte uns ausgiebig, obwohl wir eigentlich zu wenig Geld für die vollen Portionen hatten. Das beste aber war, dass wir nicht durchgängig beobachtet wurden wie bei unserer Hexe. Und als wir dann einen Spaziergang auf den Klippen machten, entsprach das, was wir erlebten, endlich der Beschreibung des Reiseführers.

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