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Familienbande …

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Ganz ehrlich? Vor drei Monaten hätte ich nie gedacht, dass ich Bene mal so blind vertrauen würde, dass ich ihn mich durch die Luft wirbeln lassen würde. Wahrscheinlich hätte ich zu Beginn der Reise nicht mal mit Helm ein Solo vor 500 Kubanern mit ihm getanzt. Schließlich steht auf meinem Fahrradhelm nicht ohne Grund ‚I Love my brain‘. Und dennoch ist genau das gestern bei der Abschiedsgala in dem kubanischen Hochbegabten-Internat geschehen, welches wir für drei Tage besucht hatten. Wir es waren eigentlich schon gewohnt auf Abschiedsabenden zu singen. Aber für diese Schule war das etwas ganz anderes. Man hatte uns nämlich bereits mit komplizierten Salsa-Formationen und Liedern, die so schön gesungen wurden, dass ich Gänsehaut hatte, begrüßten. Und da sollten wir nun mithalten, um das Projekt zu repräsentieren. Nichts leichte als das, wenn man genau zwei Tage Vorbereitungszeit hat, während uns die kubanischen Schüler erzählten, dass sie sich seit Monaten auf uns vorbereiteten. Nun denn was machen KUSis in so einer Situation? Schritt Nummer eins: Krisensitzung. Dann? Stundenlang diskutieren? Und zu dem Entschluss kommen, dass Lukas, Miron, Karla und Toni vorgeschickt werden, weil die mit ihren Gesang alles rausreißen. Außerdem hatten wir noch die Stimmungsbombe Trostpreis in Petto. Das Lied feierten unsere Gastgeber sowieso schon, weshalb es auch schon im Schulradio gespielt wurde. Ein größeres Problem war allerdings einen Tanz zu finden. Wir entschieden uns dazu, dass wir eine Kombination aus Discofox, Schuhplattln und Shuffeln präsentieren könnten, schließlich kannten die Kubaner keinen dieser Tänze. Also könnten sie zumindest nicht direkt unsere Fehler erkennen. Dennoch war diese Zeit der Vorbereitung sicherlich eine der herausforderndsten für mich. Irgendwie würde ich nämlich zur Discofox-Tanzlehrerin deklariert und musste deshalb nicht nur Tanzen beibringen, sondern mir auch zum ersten Mal im Leben eine Choreografie ausgedacht. So weit so gut. Lustig würde es nur, als wir versuchten das ganze mit sechs Paaren synchron zu tanzen. Besonders weil keiner von uns je eine Formation getanzt hat. Naja einmal ist immer das erste Mal. Mit der Einstellung gingen wir auch auf die Bühne. Es hatte vorher noch nie komplett geklappt, aber einmal ist immer das erste Mal. Und wo wir gerade schon so spontan waren, konnte Emilia auch noch eben schnell ein Shuffel-Solo einbauen. 

Dementsprechend aufgeregt waren wir alle, als wir dann endlich auf der Bühne standen. Ehrlich gesagt hätte ich ziemliche Panik. Mein Herz schlug so laut, dass wir eigentlich auch auf den Rythmus hätten tanzen können. Dich dann setzte die Musik ein und ich dachte nur noch an das Motto meines Mathelehrers: „Ich habe Spaß! Siehst du? Ich zeige euch meine Zähne, also lache ich!“ Und zu unser aller Überraschung wuppten wir zusammen als Team diesen Auftritt, auch wenn sich jeder einmal kurz vertanzte, kamen wir zum Schluss gemeinsam an. Nach dem Tauschkreis mussten Bene und ich nur noch das Solo überleben. In meinem Kopf schwirrten Vinzents Kommentare: „Eure Hebefigur sieht ja aus, als würde ein Känguru einen Elefanten stemmen!“ Und da musste ich wirklich lachen. Ich habe aber noch nie einen Elefanten aus den Armen eines Kängurus einen Handstandüberschlag machen sehen. Zumindest unseren Gastgebern scheint es gut gefallen zu haben, sonst hätten sie wohl nicht so geklatscht. 

Diese Zeit mit den kubanischen Schülern war wirklich sehr intensiv und natürlich wurden nicht nur neue Freundschaften geschlossen, sondern auch reichlich geflirtet. Nach so ziemlich jeder Tanzstunde bekamen die Jubgs auch gar nicht mehr ein vor Schwärmerei vom Hüftschwung der Kubanerinnen. Und auch wenn wir was das angeht wahrscheinlich immer unterlegen sein werden, so hat sich durch diese Zeit eins gezeigt. Nämlich, dass genau wir die KUSis zusammen gehören. Die Kubaner sind vielleicht gelenkiger und tanzen seit sie laufen können, aber wir halten so zusammen, dass wir es alle zusammen mit Ihnen aufnehmen können. Durch die Konfrontation mit dieser anderen Kultur wurde uns mal wider klar, dass wir zusammen gehören. Ich bin nun Teil einer Familie, in der ich jedem einzelnen mein Gehirn anvertrauen würde. 

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