Beitragsformat

Die andere Art Kuba zu entdecken

Kommentar verfassen

Wer schon mal eine Fahrradtour mit der Klasse gemacht hat, weiß wie chaotisch das abläuft. Und obwohl ich bereits im Sommer, als ich mit meiner Klasse nach Berlin gefahren bin, dachte, dass es nicht mehr verrückter ablaufen könne, würde ich hier wieder einmal eines besseren belehrt. Während in Deutschland meine beste Freundin nach nicht mal fünf Kilometern vom Fahrrad fiel, landeten hier andere Dinge auf dem Boden. Pedale zum Beispiel. Die liebe Alena hatte anscheinend nicht ganz mitbekommen, dass ein Gewinde eine vorgeschriebene Richtung hat. Nun denn wir wären nicht die KUSis, wenn wir für Probleme wie Fahrräder ohne Pedale keine Lösung hätten. Nicht verzagen Vinzent fragen. Der hat nämlich immer zu viel Energie, weshalb er Alena für die nächsten Kilometer durch die wunderschöne Landschaft Kubas fuhren.Das, was ich bereits als kleines Kind am Fahrrad fahren geliebt habe, war immer, dass man auf einmal so viel mehr sieht, dass man selbst in bekannten Umgebungen das Gefühl hat in einem fernen Land zu reisen. Nun in meinem Fall bereiste ich gerade wirklich ein fremdes Land, weshalb all die Eindrücke ziemlich überwältigend für mich waren. Während der ersten Kilometer rollten wir entlang der smaragdgrünen karibischen See bis wir ins Land abbogen und durch die ersten kubanischen Dörfer führen. Auf einmal sah man überall bunte Oldtimer und Kolonialhäuser, die in allen erdenklichen Farben gestrichen waren (auch wenn der Lack bereits bröckelte). Und mitten drin sah Kubaner laut lachen, und Kussmünder zuwerfen, handeln, Eier kaufen, Musik machen und uns begrüßen. Im Hintergrund ragten bereits die ersten Mogotes empor und überall, wo sich noch eine Lücke ergab, säumten Königspalmen die Straßen.

Alles könnte so perfekt sein. Mittlerweile hatte Alena auch selbstgeschnitzte Ökopedale und Pesopizzen mit Bananen schmecken sowieso jeden Tag gut als Mittagessen. Nur leider löste sich dann mein Rucksack vom Gepäckträger, obwohl ich ihn mit einem Expander befestigt hatte. Wenn man diesen aber in der Fahrradkette häckselt, ist es kein Wunder, dass der Rucksack ebenfalls einen Abgang macht. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass meinem Fahrrad das nicht so gut gefallen hat. Jedenfalls würde ich für die letzten 15 Kilometer bis Piñar Dell Rio von wunderschönen Klacker- und Quietschgeräuschen begleitet. Im Hotel widmete sich dann unser „Experte“ Jonas meinem armen Drahtesel. Dabei eröffnete er mir immer zwei Möglichkeiten: Entweder ich versuche die Pedale mit Gewalt reinzudrehen und zerstöre so das Gewinde, aber es geht schnell, oder du setzt dich jetzt hin und versuchst zwei Stunden lang die Pedale richtig reinzudrehen. Nun denn die Entscheidung war einfach. Schlussendlich hatte ich ein Fahrrad mit einem verbogenem Schutzblech, einer Gangschaltung, die wie Russian Roulette funktioniert (entweder sie schaltet oder die Kette springt raus und du kannst gar nicht mehr treten), und eine Konstruktion aus Tampons und Tape, die alles zusammenhalten. Und das faszinierendste daran? Mit diesem Teil bin ich durch die Provinz Piñar del Rio gefahren. Immerhin hat das alte Fahrrad von meinem Opa nun in seinen letzten Momenten in unserer Familie noch so einiges erlebt. Und wer weiß, was die Kubaner, denen wir die Fahrräder geschenkt haben, noch alles damit anstellen werden?

Leave a Reply

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s