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Volcán Barú – Auf dem Gipfel

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Als mein Wecker gestern um 4 Uhr klingelte, hatte ich keine Ahnung, was mich an diesem Tag alles erwarten würde. 1000 Höhenmeter. 10 Kilometer. Höhenkrankheit. Natürlich war uns all das gesagt worden. Aber was das bedeutete, konnte ich mir nicht vorstellen. Und so war der einzige Grund, weshalb ich ein mulmiges Gefühl im Bauch verspürte jener, dass ich mal wieder viel zu viel zum Frühstück bekommen hatte und zu höflich war, um es abzulehnen.

Um fünf Uhr dann stand ich vor unserer Spanischschule, vollgestopft mit gebratenen Kochbananen und Rührei, welches mit „leckerem“ Burgerkäse verfeinert war. Vor Kälte bibbernd warteten wir auf einen Bus, der uns zum Vulkan bringen sollte. Aus dem Bus wurden dann allerdings Zebra-Geländewagen ohne Scheiben. Kurz darauf verstanden wir dann auch wieso, denn der Weg zum Vulkan wurde ziemlich bald zu einer Schotterpiste und ich sehnte mich zum ersten Mal nach Seegang. Nun denn, ganz lustig war die Fahrt schon irgendwie, abgesehen davon, dass meine Beine eingeschlafen sind.

Es war halb acht als wir losliefen. Sonnenaufgangszeit. Natürlich kamen wir nicht allzu schnell vorwärts, zu schön war die Aussicht. Und so wurden zahlreiche Fotos gemacht mit geistreichen Bildunterschriften wie Beru. Nicht wahr Bene? Der Berg heißt Beru. Richtig.

Wir waren kaum eine Stunde gelaufen, als die ersten höhenkrank wurden. Mich eingeschlossen. Zwar hatte ich nur Kopfschmerzen und war nicht kurz vorm Umkippen wie Amelie, aber dennoch war es nervig.

Vor ein paar Wochen wurde in einer außerordentlichen Schülerversammlung das Problem Gruppenbildung angesprochen. Manche fühlten sich ausgeschlossen, weil es anscheinend eine Gruppe geben sollte, die sich unbewusst von den anderen abhob. Während wir eben diesen Vulkan bestiegen und jeder mit seinen Körper zu kämpfen hatte, wurde uns eins klar. In diesem Moment gab es nur uns. Wir waren eine Gruppe. Ein Team. Eine Familie. Und genauso handelten wir. Irgendwann wurde Toni schlecht und sie hatte nicht nur das Gefühl sich übergeben zu müssen. Also erklärten die Jungs sich sofort bereit ihren Rucksack zu tragen. Und als ihr Puls immer noch zu hoch war (152!), legte ich ihren Arm um meine Schulter und half ihr den Berg hoch. Zusammen quälten wir uns durch die Mittagshitze, die uns alle auf unsere Skiwäsche fluchen ließ. Das war echt ein toller Tipp! Zieht euch warm an und nehmt Mützen mit, denn auf dem Baru wird es arschkalt.

Nach 6 Stunden der Wanderung, erreichten Toni und ich schnaufend die Radiostation Nahe des Gipfels. Wir hatten es geschafft. Auch wenn wir das letzte Stück alle 20 Meter hatten Pause machen müssen. Das interessiert im nachhinein auch keinen mehr. Da standen wir nun. Ein Haufen verschwitzter Jugendlicher, die nun endlich das Gipfelkreuz sehen konnten. Und die 15 Minuten wollte jeder schaffen. Und das taten wir auch. (Von wegen Kinder mit nem Willen, kriegen was auf die Brillen.) Und das Gefühl oben zu sein war unglaublich. Ich hatte zwar meine Pipiservietten vergessen, die mir meine Gastoma extra mitgegeben hatte, aber auch ohne auf den blöden Gipfel zu pinkeln, konnte man seine erste Bergbesteigung feiern. Zum Beispiel mit einer Extrarunde Fotos für die Website machen. Juhuuu!

Auf dem Gipfel habe ich mich unendlich stark und frei gefühlt. Aber nicht, weil ich einen Berg bestiegen hatte, sondern weil wir ihn bezwungen hatten. Jeder hatte es geschafft. Amelie. Toni. Alle. Und das, weil wir an diesem Tag nicht nur zusammen gearbeitet haben, sondern füreinander gekämpft haben. Deshalb habe ich mich stark gefühlt. In diesem Moment wusste ich, dass ich wie eine Ameise Teil eines Superorganismus bin. Zusammen können wir Berge versetzen.

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