Beitragsformat

Roadtrip St David

3 Kommentare

Sieben Stunden Zeit. Zwanzig US Dollar pro Person. Eine unbekannte Region auf einer fremden Insel. Vier Jugendliche und ein Mathelehrer, der nur Ballast sein darf. Das lag heute morgen vor mir. Um 11 Uhr verließen wir das Schiff und begannen unseren Weg mehr oder weniger Zielstrebig zum Busbahnhof. Von dort wollten wir (oh Wunder) einen Bus nach St. David nehmen, eine Region, die der Reisführer als „very rural“ bezeichnete. Also wollten wir in die Pampa. Beziehungsweise wir haben beim Losen die Pampa gezogen.

Unser Weg führte uns zunächst in der aufkommenden Mittagshitze am Hafen entlang und bereits nach fünf Minuten begann ich die Vorschrift mit den langen Hosen zu hassen. Denn meine schwarze Treckinghose sah nicht nur extrem spießig aus, sondern klebte auch binnen kurzer Zeit an meinen Beinen, aber der Stamm hat uns empfohlen nicht in Shorts durch die Gegend zu laufen, damit wir nicht durchgehend angemacht werden.

Die kleine Wanderung hatte allerdings auch ihr Gutes, denn auf dem Weg habe ich den kleine Art&Batik Shop wiederbekommen und konnte mir so ein T-shirt kaufen. Ich mag zwar eigentlich kein Batik, aber bei diesem Shirt mache ich eine Ausnahme, weil auf der Brust das Logo von „The Grenada Chocolate Factory“ prangt und wer möchte nicht schokoladig verpackt sein? Der Besuch bei diesem Laden hat uns aber auch geholfen zumindest das heruntergekommene Parkhaus gefunden, dass man in Grenada Busbahnhof nennt. Allerdings brachte uns dieser auch nicht wirklich weiter, weil es dort hieß, dass keine Busse fahren würden. Zumindest meinten das die Taxifahrer. Später haben wir dann gerafft, dass natürlich Busse gefahren sind und die Taxifahrer nur selbst Geld verdienen wollten. Also wurden wir in einem ganz normalen Auto (zumindest für grenadische Verhältnisse) zu fünft herumkutschiert. Das war ein wirklich feucht fröhliches Vergnügen. Beim zweiten Anlauf hat der Taxifahrer dann auch Lauras Spice Garden, wo wir hinwollte gefunden.

Dort standen wir nun. Mit 80 EC weniger in der Tasche und stellten fest, dass er geschlossen hatte. Also beschlossen wir ihn uns anzugucken. Also von außern versteht sich. Na ja einen kleinen Blick durch ein Loch im Zaun haben wir dann doch gewagt und während der ganzen Zeit lief Thomas unser Lehrer quietschvergnügt mit uns mit und tat so als wäre er komplett verantwortungslos.

Nach kurzer Zeit wollten wir dann aber doch weiter nach La Sagesse Bay. Also liefen wir zurück zur „Hauptstraße“ und weil wir eben in der Pampa waren, begannen wir zu wandern. Und das taten wir auch noch eine halbe Stunde später, als es begann zu regnen und zu regnen und zu regnen. Zum Glück entdeckten wir einen provisorischen Unterstand und versuchten unser Glück beim Trampen. Nun ja irgendwie waren wir nicht so erfolgreich, weil die meisten Autos sowieso schon überladen waren oder wir uns einfach nicht so geschickt anstellten. Und dann gerade als selbst Thomas es bereute, dass ich meine Shorts gegen eine lange Hose getauscht habe, hielt das erste Auto. Dummerweise wollte es zurück nach St. George, weshalb wir frustriert weiterliefen. Aufgegeben hatten wir allerdings, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich als letztes, oder im unserem Fall gar nicht. Denn schließlich erbarmte sich ein netter Herr unser und fuhr uns runter nach La Sagesse.

Der Strand dort war wirklich sehr schön, aber das beste an der Aussicht waren ein paar sehr nette Einheimische, die Fußball spielten. Da wir den ganzen Tag uns sowieso schon durchgefragt hatten, streiften wir unsere Wanderschuhe ab und schlossen uns ihnen an. Oder besser gesagt Jonas und Nico spielten und Karla und ich standen im Weg und versuchten anhand der Badehosen herauszufinden, wer nochmal in unserer Mannschaft war. Bei der anschließenden Abkühlung war das allerdings auch nicht mehr wichtig, denn irgendwie konnte man auch so darüber lachen, wie sie versuchten Handstände zu machen.

Um 3 Uhr begannen wir uns trocken zu legen, denn wir wussten, dass wir auch während des Rückwegs viel laufen und trampen müssten. Da ich mit einem weißen T-shirt baden gegangen war, kam mein neu gekauftes T-shirt gleich zum Einsatz und vervollständigte den perfekten Tourilook aus Wanderschuhen, Treckinghose und Tourishirt. Notiz an mich selbst: Souvenirs nie in den Ländern selber tragen und nie zu Wanderschuhen kombinieren.

Abgesehen davon, dass wir eine Kokosnuss nicht nur gefunden, sondern auch mithilfe von Thomas physikalischer Berechnung geknackt haben, lief unser Rückweg eher schlecht als recht. Wir stellten zwar überrascht fest, dass doch Busse fuhren und der Taxifahrer uns übers Ohr gehauen hat, aber diese waren alle selbst für grenadische Maßstäbe überfüllt. Dann kam auch noch eine Hochzeitskolonne vorbei und wir gingen bestimmt 5 km ehe sich uns eine Perspektive eröffnete. Diese Perspektive war das erste Eis nach einem Monat. Ich hatte mir zwar bereits an einem Samstag ein Eise gekauft, allerdings ist mir dieses in dem Moment, als ich es aus der Verpackung gehohlt habe auf die Straße gefallen.Aber hier am Straßenrand gab es sogar eine Eisdiele und weil wir an diesem Tag sowieso schon so viel Fragwürdiges getan hatten, vertrauten wir einfach mal darauf, dass dort keine Salmonellen enthalten waren. Und da wir mehr Glück als Verstand haben, bin ich froh berichten zu können, dass wir noch leben.

Nachdem wir eben dieses viel zu Süße Coockies & Cream Eis genossen haben, ging es dann auch endlich bergauf. Also wir mussten einen Hügel hochlaufen und auf der Hälfte des Weges hielt endlich UNSER Pickup. Schon den ganzen Tag hatte Jonas davon geschwärmt, dass wir unbedingt hinten auf der Ladeluke trampen sollten. Und so kam es, dass wir uns genau dort hinsetzten, obwohl uns das sehr nette Ehepaar die Rückbank anbot. In diesem Moment habe ich mich endlich so richtig frei gefühlt und auch die Einheimischen in den vorbeifliegenden Dörfern hatten ihren Spaß bei unserem Anblick. In Westerhall mussten wir uns dann aber leider schon wieder verabschieden.

Und dann standen wir wieder da. Mittlerweile war es viertel nach fünf und wir hatten immer noch ein Drittel der Strecke vor uns. Aber irgendwie hatten wir gerade eine Glückssträne und so hielt kurze Zeit später der erste Bus, der nicht überfüllt war. Für 5 EC pro Person konnte er uns zurück nach St. George nehmen. Begeistert stiegen wir ein. Während der Fahrt habe ich mich dann mit einem sehr netten Einheimischen unterhalten ich weiß bis jetzt nicht wie das kam, aber er war (wie eigentlich jeder) begeistert von unserem Projekt und was viel wichtiger war, er erklärte mir wie man hier aussteigt. Es gibt nämlich keine richtigen Haltestellen, sondern man muss ans Fenster klopfen, wenn man rausgelassen werden will. Und auf einmal waren wir wieder gut in der Zeit, denn nach einem letzten Fußweg waren wir wieder in Port Louis angelangt. Zwanzig Minuten vor der Zeit ist des Seemanns Pünktlichkeit.

3 Comments Join the Conversation

  1. Lara, Deine tolle Reise begleite ich virtuell und wünsche Dir weiterhin viel Spaß. Freue mich über Deine neuen Einträge. Wünsche Dir karibisch, fröhliche Weihnachten und noch eine spannende Reise!!
    Alles Liebe Kerstin

    Gefällt mir

    Antwort

  2. Liebe Lara, Du bist ein tüchtiges Mädchen!!!! Deine Nachrichten sind ganz toll geschrieben und so leicht und locker formuliert. Großartig!!! Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünschen Dir Deine Hains und Becks.

    Gefällt mir

    Antwort

Leave a Reply

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s