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Von Schätzen und Sternen

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Alles begann am Abend vor unserem Abschied. An diesem Abend bezog ich meine Koje. 4 Backbord unten. Kaum hatte ich meinen Kram verstaut, klopfte es an der Tür. Simon der Bootsmann von letztem Jahr klopfte an unserer Tür. Er zeigte mir ein Foto. Ein Foto von einem Schatz und fröhlichen KUSis. Er fragte mich was ich sehe und ich antwortete ein wenig verwirrt. Okay ich war mehr als ein wenig verwirrt. Er sah mich eindringlich an und meinte ich solle mir das Bild gut merken. Das sei wichtig. Und meine Koje ebenso.

Bis gester war dieser Schatz allerdings wieder in vergessenheit geraten. Ich hatte zwar bei meinem Umzug und während meines Praktikums beim Proviantmeister die Unterkoje durchforstet nach Hinweisen auf den besagten Schatz, allerdings vergebens. Gestern nach einem wunderschönen Abendessen gekocht von unserem Kapitän Detlef und Ruth, eröffnete unsere Bootsfrau dann die Schatzsuche. Aus ihrem Huut zauberte sie 34 Fragen, die wir in ein Kreuzworträtsel auf einer Seekarte eintragen mussten. Also versammelten sich alle unten in der messe um zusammen nach Lösungen zu suchen und so begann der ganze Trubel. Lauter übermotivierte Schüler saßen in einem viel zu warmen Raum auf ihren Holzbänken und riefen durcheinander. Und ähnlich wie in der Schule klappte das ganze mit dem Melden nicht so wirklich.

Dennoch kamen wir langsam voran. Nur die Hinweise, die um das Kreuzworträtsel verteilt standen, verwirrten uns. Schnell erkannten wir, dass es sich um Filmzitate handelte, aber was hatten sie zu bedeuten? Eine von ihnen war „Oben ist unten“. Und natürlich drehten wir die Karte prompt auf den Kopf. Später entdeckten wir noch die Zahl „42“ und klein in die Ecke gequetscht „Wennington“. Wir holten einen Atlas und suchten diese mysteriöse Stadt, welche in Neuseeland liegt. Nun begannen wir wieder mit der Oben ist unten-Theorie und stellten dabei fest, dass die Stadt, die unten auf der oberen Insel liegt nun oben auf der unteren Insel liegen müsse. Das ganze sorgte für ziemlich viel Verwirrung genauso wie der elbische Schriftzug, den Amelie versuchte mit Hilfe des elbischen Wörterbuchs von Laura zu entziffern. Damit verschwendete sie fast zwei Stunden ihres Lebens. Schließlich hatten wir dann aber doch alle Antworten und konnten nun das Lösungswort Kabelgat zusammensetzen.

Nun was ist ein Kabelgat? Das weiß ich leider immer noch nicht. Nur, dass es ein Ort auf diesem Schiff ist und, dass dort unser nächster Hinweis versteckt war. Wir sollten herausfinden, was ein Grumit ist. Ja ich habe an diesem Abend sehr viel gelernt. Für alle die es interessiert: Ein Grumit ist ein gespleißter Ring aus Tampen. Diesen sollten wir in unserer nächsten Aufgabe anfertigen, wie es in dem Zettel stand, der in dem Lexikon versteckt war. Zum Glück hatten wir Julius, der schon seit Wochen unser Knotenexperte ist. Sofort machte er sich ans Werk, währenddessen der Rest sich noch weiter von den Hinweisen auf der Karte verwirren ließ. Immerhin haben wir dabei viel gelernt. Viel Rum hilft viel! Kanonen sind wichtig! Das sind wahre Lebensweisheiten.

Als wir den gespleißten Grumit Laure der Bootsfrau präsentierten händigte sie uns ein Stück Leder mit einem eingegerbten Stern aus und fragte uns, wo denn dieser zu finden sei. Prompt stürmten alle in die Last, denn dort befand sich ein Hocker mit einem eingeritzten Stern. Siegessicher brachten wir den nächsten Brief zurück in die Messe, nur um festzustellen, dass dieser Brief eine Sackgasse war. Es hieß, der Weg sei das Ziel, weshalb wir den Lederfetzen noch einmal genauestens inspizierten. Dort fanden wir ein weiteres Zitat: „Don’t be shy, look up high.“ Nun fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Natürlich, auf dem Schonermast auf dem Eselshaupt war ebenfalls dieser Stern eingraviert. Unter Sondergenehmigung durfte einer nachts hochklettern und uns den nächsten Zettel bringen. Dieser war der letzte. Wir sollten ein Lied, Gedicht oder etwas anderes musisches gestalten, damit Detlef unser Kapitän uns die Schatzkarte aushändigte.

Also blieben die mittlerweile ziemlich ausgedünnten Schüler noch bis 12 Uhr in der Messe und schrieben das Anfangslied des dritten Teils von Fluch der Karibik um. Dazu bastelten Sofie, Pia und ich noch eine KUS-Piratenflagge, wie sich dsas für wahre Seeräuber gehört. Leider wurden wir nicht fertig, weshalb Lukas diese heute um 6 Uhr während seiner Ankerwache fertig nähte.

Nach dem Frühstück und Reinschiff war es dann soweit. Die Stunde der Wahrheit. Würden wir auf die Insel Petit Tabaque fahren oder nicht? Würden wir die Insel betreten, auf der Jack Sparrow schon die Rumfässer im ersten Teil verbrannt hatte? Wir hatten uns extra mit meinem schwarzen Liedschatten (der eigentlich für Halloween vorgesehen war) Kriegsbemahkung ins Gesicht geschmiert und Miron hatte es sich nicht nehmen lassen sich auch die Augen zu umranden, um Jack zu imitieren. Genauso wenig haben die Jungs darauf verzichten können mit nackten Oberkörper zu singen. Jaja diese Poser. Aber trotz derkurzen Nacht lief alles wie am Schnürchen und Detlef übergab uns mehr oder weniger feierlich die heiß ersehnte Seekarte.

Doch nun kommt der Haken. Vor den 34 Schülern hatten nur 16 Jugendliche Platz in den Rettungsbooten und um zu entscheiden wer mitdurfte, hatten wir eine viertel Stunde Zeit. Das dämpfte zunächst die Stimmung, doch glücklicherweise waren sich alle einig, dass jene die ihren Schlaf geopfert hatten um zum Beispiel die Flagge zu gestalten auch mitdurften. Und so saß ich kurze Zeit später im Dinghi.

Die Überfahrt war ein eher feucht fröhliches Vergnügen, denn der Wind hatte zugenommen und in einem kleinen schwarzen Schlauchboot hat man da viel Spaß. Wir mussten uns sogar auf den Boden hocken, damit wir nicht rausfallen oder kentern. So kamen wir nach einer halben Stunde Wildwasserrafting an dem traumhaft schönen Strand an. Von da an hatten wir eineinhalb Stunden Zeit um den Schatz zu bergen. Hastig stürmten alle los, irrten aber zuerst orientierungslos über den Strand. Die Schatzkarte war nämlich nur so semi-hilfreich. Schließlich ertönte ein Schrei, denn jemand hatte entdeckt, dass in einen Baum KUS 14/15 eingeritzt war. Eine weitere viertel Stunde standen wir dort herum und stellten alles auf den Kopf. Schließlich meinte Laura lachend, dass Palmen ja zum Glück rund seien. So entdeckten wir endlich ein Kreuz auf der Rückseite der Palme. Nun musste nur noch gegraben werden. Und das taten wir auch auf der Stelle mit unseren Handfegern, die wir mitgenommen haben. Nach zehn Minuten hatten wir den Schatz geborgen.

Feierlich schleppten wir ihn an den Strand und machten natürlich erstmal Fotos. Diese Jugend von heute! Wir holten den Schlüssel hervor, um sie zu öffnen und stellten dabei fest, dass diese schon offen war. Vor uns breiteten sich nun vor allem Sand und wunderschöne Muscheln aus, aber auch ein Brief des letzten Jahrgangs und ihre Geschenke. Denn der Schatz war nicht etwa materiell wertvoll. Jeder Schatzsucher von letztem Jahr hatte einen Gegenstand, der ihm viel bedeutet hatte in die Truhe getan. Jeder von uns durfte sich etwas nehmen und im Gegenstand eine Kleinigkeit, die uns viel bedeutet hineinlegen. Das war definitiv einer der emotionalsten Momente der Reise. Ich legte einen geklöppelten Stern von meiner Oma, der in meiner Adventspost hinein und ein Foto von meinen Freundinnen. Denn dieser Stern erinnert mich daran, dass auch wenn du deinen Lieben und Freunde hier an Bord nicht siehst, sie immer über dich wachen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl einen Schatz für den nächsten Jahrgang zu verstecken. Das war noch romantischer als das erhalten des Schatzes. Ich habe mir ein Holzstück mit einem liebevoll eingeritzen Anker ausgesucht. Diesen werde ich nun als neues Zeichen für meine Lieben mit mir mitnehmen und es wird mich daran erinnern, was mir in diesem Moment am wichtigsten war.Von

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