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Atlantiktaufe – ich bin ein Kusi holt mich hier raus

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Eine stinknormale Wache am Freitag den 04. Dezember inklusive ‚Spaß’ am Ruder. Neben mir war Laura (unsere Bootsfrau) mit ihren Praktikanten mit Schleifarbeiten beschäftigt. Wie gesagt – alles stinknormal. Bis Laura auf einmal anfing zu schreien: „Wir brauchen mal jemanden von den Anglern! Ich glaube das hat ein Fisch angebissen!“ Ein paar von uns hatten nämlich eine Angelspule mitgebracht und gelegentlich fangen sie auch etwas. Aufgeregt stürmten die Angelwütigen auf das Achterdeck und stellten schnell fest: Das war kein Fisch, sondern eine Flasche. Das schmeckt bestimmt auch gut, dachten sich wahrscheinlich unsere gierigen Jungs. Jedenfalls holten sie die Flasche aus dem Wasser und stellten fest, dass es eine Flaschenpost war. Und natürlich war diese nicht geangelt, sondern an der Schnur festgeknotet. Zufall, dass Laura vorher in der Nähe beschäftigt war? Eher nicht, denn die Post kündigte die bevorstehende Atlantiktaufe an, bei der wir Neptun vorgestellt werden sollten.

Natürlich hatten wir schon von Ex-KUSis von diesem Ereignis gehört, aber etwas genaues darunter vorstellen konnte sich keiner. Ich dachte zum Beispiel zuerst, dass wir schwimmen gehen würden, weil uns in dem Brief ebenfalls aufgetragen wurde Badesachen zu tragen. Dann kam Willi (unser Maschinist) aber auf mich zu und empfahl mir noch mal ein Foto von mir mit Haaren zu machen. Erst habe ich gelacht, aber langsam wurde ich dennoch nervös. Als der Stamm uns dann auch noch eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung in der Messe versammelte und uns verbat zu luschern, waren alle Schüler in heller Aufregung. Das muss man sich mal vorstellen: 42 Unwissende in Bikinis und Badehosen in einer schlecht belüfteten Messe, die gefühlt 60°C warm war. Auch unsere Lehrer sollten getauft werden und waren ebenso unwissend wie wir.

Um 1 Uhr ging es dann los. Auf einmal hörte man von oben auf dem Deck merkwürdiges Geschepper und Geklingel. Dann wurde auch noch hysterisch gelacht und so langsam beschlich uns das Gefühl, dass der Stamm sich noch so einigen Spaß mit uns erlauben würde und vermutlich doch ein bisschen verrückt war.

Schließlich hörte man Detlef unseren Kapitän „Neptun begrüßen“. Nun sollten wir Teuflinge getauft werden. Alle in der Messe saßen gespannt wie ein Flitzebogen da, denn ehrlich gesagt wollte keiner wirklich als erstes sein. Dann kündigte Detlef an, dass zuerst eine Lehrerin an der Reihe, was uns Schüler natürlich in Begeisterung versetzte. Allerdings nur so lange bis ein Büschel Haare den Niedergang runtersegelte. In diesem Moment verwandelte sich die helle Begeisterung in helle Panik.

„Wir brauchen jetzt eine Schülerin. Eine Schülerin mit langen Haaren um Detlef zu besänftigen.“, rief Detlef als nächstes. Innerlich freute ich mich bereits, weil ich genau wusste, dass Alena längere Haare hatte als ich. Nun ja. Zu früh gefreut, denn bei meinem Glück war natürlich ich die erste. Und so tapste ich zitternd den Niedergang hinauf. Was dort oben geschah? Das darf ich nicht verraten. Denn die Atlantiktaufe soll auch noch für die nächsten Generationen so aufregend bleiben wie für uns. Ich verrate nur so viel: Ihr riecht danach nach Senf, es wird nass und ihr solltet nicht allzu schreckhaft sein. Aber dieser Artikel beweist, dass man es überlebt. Und nun habe ich sogar einen weiteren Namen: Saphir-Demoiselle. Ein wunderschöner tiefblauer Fisch, den ich während der Riffferien sogar gesehen habe.

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