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Biscaya – let the storm rage on

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Ach wie ich die Biscaya liebe! Oder wohl eher Pisscaya. Leider haben wir uns ganze sechs Tage ein diesem Loch aufgehalten. Das ist doppelt so lange wie normal aber kein Wunder, da wir Sturm hatten und der Wind dann auch noch aus Süden kam. Leider wollten wir genau dahin. In den Süden. Ins warme Teneriffa. Dummerweise sind wir nicht immer dorthin gefahren, sondern eher im Zickzack, teilweise auch im Kreis oder ganz beliebt rückwärts.

Ein weiterer Nebeneffekt von Sturm sind Wellen. Wellen bedeuten Schaukeln. Schaukeln bedeutet Kotzen. Dieses Mal bin auch ich nicht ungeschoren davongekommen. Doch während alle anderen erfolgreich nach Lee gespuckt haben, meldete sich bei mir dieser Drang ausgerechnet, als alle Segel Mitschiffs standen. Das hatte zu Folge, dass man nicht eindeutig erkennen konnte aus welcher Richtung der Wind kam und da ich 1. Ein absoluter Pechvogel bin und 2. Der Wind über Nacht gedreht hatte, habe ich leider Luv mit Lee verwechselt. Das war nicht sehr schön für mein Ölzeug. Danach ging es mir allerdings schon viel besser, weshalb ich beim vegetarischem Gulasch voll reinhauen konnte und somit meine Wette gewonnen hatte. Sophie ging nämlich davon aus, dass ich das Mittagessen überspringen würde, nachdem ich es mir nicht habe nehmen lassen die Pancakes zum Frühstück trotz Übelkeit zu essen.

Von da an ging es dann bergauf, sodass nachmittags der Himmel aufriss und wir unsere ersten Delfine der Reise sahen. In Scharen sprangen sie um das Schiff und bewiesen uns wie schön sie Synchronspringen konnten. In der Nachwache darauf folgte das erste Meeresleuchten und dann waren wir auch schon querab vom Cabo Finistre. Das Kapp der Dunkelheit für die Geschichte der Seefahrt. Für uns allerdings das Kapp der Helligkeit, denn seit wir es passiert haben, genießen wir ein schönes spanisches Wetter. Das Wasser ist mittlerweile 20°C warm und ich habe sogar einen kleinen Sonnenbrand. Auch Reinschiff ist entspannter geworden, weil wir nun die Station Deck haben und dieses deshalb während wir Fahrwache haben erledigen können. Also sitze ich jetzt nicht mehr nur rum und warte, bis ich jemanden im Ausguck ablösen kann, sondern poliere stattdessen mit der Zahnbürste den Kompass. Ich weiß das klingt absolut lächerlich und es ist auch ein wenig lustig, aber es gehört nun mal dazu.

Ansonsten haben wir jetzt auch mehr Freizeit und deshalb genieße ich die Sonne an Deck mit den anderen und lese. Ab und zu läuft dann alles hektisch an die Reling, wenn es wieder Wale oder Delfine zu sehen gibt. Ich habe mir auch einen kleinen Fitnessplan aufgestellt, wenn man das so nennen kann. Ich mache jetzt an allen Niedergängen einen Klimmzug und während dem Zähneputzen ein paar Squads. Wenn ich ganz motiviert bin schaffe ich es sogar vor dem Aufstehen ein paar Situps in meiner Koje zu machen, aber mehr ist leider nicht möglich. Denn bei Seegang wird selbst duschen zu einer Herausforderung, weil man es gleichzeitig hinkriegen muss sich einzuseifen, festzuhalten und dem Wasserstrahl hinterher zu laufen, weil dieser ebenfalls schwankt. Demzufolge ist es herzlich schwer Sport zu machen, wenn das Springen und Rennen an Bord verboten ist.

Mittlerweile kann ich auch die Backschaft genießen. Der Tag ist zwar immer noch lang, aber letzten Dienstag konnte ich sogar das erste Mal ein Mittagessen für 50 Leute anleiten und war somit die erste Backschaftsprinzessin. Diese Woche wurden auch alle meine Rezepte gemacht: Rote-Bete-Risotto mit Kokosmilch und Parmesan, Penne mit Spinat-Erdnuss Soße und mein Apfelmus-Streuselkuchen gab es in der kalten Zeit auch schon drei Mal. Es scheint als hätte ich den Geschmack der Proviantmeister getroffen. Insofern haben wir auch schwierigste Etappe für die Hinreise hinter uns und das Beste daran ist, dass wir zumindest nie mehr durch die Biscaya müssen. Ab jetzt geht es ins Warme und wenn wir den Atlantik überqueren, weht der Passatwind auch so wie wir ihn brauchen um in die Karibik zu rauschen.

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